97 | Bildbetrachtung Werk Nr. 0223

© Atelier SommerKunst – Discover Emotions, 80 x 80 cm, Öl auf Leinwand, 2018

Porträtmalerei als Manifestierung des Augenblicks

In der Flüchtigkeit des Augenblicks verlieren wir den Sinn für die Feinheiten in der zwischenmenschlichen – auch der nonverbalen – Kommunikation. Die gilt für uns vertraute Menschen ebenso wie für uns (scheinbar) unbekannte. Gefühle und Emotionen kommen uns im Alltag oft abhanden und wir suchen nach einer Manifestierung, um die Lebendigkeit unserer Seele zu erhalten.

Es ist natürlich nicht so, dass wir wie Zombies oder Maschinen durch die Welt laufen. Auch kann es passieren, dass wir von unseren Gefühlen unvorhergesehenerweise und plötzlich überwältigt werden. Dennoch ist es im Alltag oft so, dass uns die eigenen Gefühle nicht bewusst sind oder dass wir ihnen in einem bestimmten Moment keinen Namen geben können und allenfalls „gut“ oder „schlecht“ sagen könnten.

Porträtmalerei kann einen bestimmten Augenblick einfangen und auf der Leinwand konservieren.

Discover Emotions

Discover Emotions – so heißt der Slogan, mit dem ich meine Porträtkunst bewerbe. Unter den zahlreichen positiven Rückmeldungen & Äußerungen, die ich immer wieder bekomme, sticht eine ganz besonders hervor: Meine Porträts leben, sie sprechen mit den Betrachter*innen und erreichen sie auf einer sehr emotionalen Ebene.

Bei der Betrachtung von „Tanja“ werden wir automatisch in das Bild und damit in die Erlebniswelt der jungen Frau hineingesogen. Wir wollen wissen: Wohin schaut sie? Was sieht sie? Oder geht ihr Blick vielleicht ins Leere und sie ist in Gedanken versunken? Spricht eine Sorge oder eher Zuversicht aus ihren Augen? Oder lässt sie vor ihrem inneren Auge die Vergangenheit oder die Zukunft lebendig werden? Ist die nicht sichtbare Lichtquelle, die Tanjas Gesicht illuminiert, von physikalischer Herkunft oder nur eine visuelle Metapher für Tanjas Gedankenwelt, ein inneres Licht sozusagen.

Indem wir so in die abgebildete Figur hineinspüren, entdecken wir dabei auch unser eigenes Inneres. Vielleicht bilden wir im Geiste die dargestellte Pose nach und versuchen zu spüren, was wir dabei erleben. Auf diese Weise können wir auch in uns selbst auf Entdeckungsreise gehen. Wir können dabei vielleicht auch in einem ganz bestimmten Gefühl verweilen – so lange eben, wie wir vor „Tanja“ stehen und sie betrachten.

Mir selbst dient der Schaffensprozess als ein über Wochen und Monate langes Hineinfühlen in die porträtierte Figur UND in mich selbst. Kunst zu machen ist für mich daher gleichgesetzt mit der Wahrnehmung von und Begegnung mit meiner Seele – weswegen auch jedes von mir erschaffene Bild eine ganz persönliche Note von mir ausdrückt und nicht einfach eine Nachbildung der Fotovorlage ist.

Referenzfoto als Vorlage

Als ich das Referenzfoto von „Tanja“ das erste Mal sah, wusste ich bereits, dass diese eine ganz besondere Arbeit von mir und für mich werden sollte. Ich danke daher zunächst von ganzem Herzen dem äußerst talentierten Fotografen Hans-Joachim Reiter, der es ebenso versteht, mit seiner Kamera den den speziellen Augenblick einzufangen. Er stellte mir die Vorlage zur freien Verfügung. Da die junge Frau eine Verwandte von ihm ist, konnte ich durch ihn auch gleich sicherstellen, dass keinerlei Gefahr zur Verletzung eines Persönlichkeitsrechtes besteht.

Wenn ich nur ein Bild aus einem brennenden Haus retten könnte, es wäre dieses. Kein anderes meiner Bilder fasst meinen ganzen bisherigen Schaffensprozess so kompakt zusammen wie dieses. Und obwohl ich alle meine Bilder liebe, berührt mich selbst kein anderes mehr als dieses.

„Tanja“ in der Ausstellung

Derzeit stelle ich das Bild im Rahmen der 5. Ausgabe des renommierten & kuratierten Grand Salon in Bad Säckingen aus. Wer in der Nähe ist, kann es sich hier anschauen:

 

12. Januar-17. Februar 2019

Mi, Do, Sa, So 14 – 17 Uhr

Parkstr. 1, D-79713 Bad Säckingen

 

 

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