# 78: Insa Hoffmann: Deine eigene Welt erschaffen

ENGLISH TEXT BELOW: INSA HOFFMANN – CREATING YOUR OWN WORLD

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Gastbeitrag von Insa Hoffmann: Deine eigene Welt erschaffen

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© Insa Hoffmann

Mein Name ist Insa Hoffmann. Ich habe an der Kunstakademie in Bologna Malerei studiert. Heute lebe und arbeite ich in Kandern, in Süddeutschland. Ich bin in der Landschaftsmalerei verwurzelt, beschäftige mich jedoch immer schon mit Wegen in die Abstraktion, um die Malerei frei von der Abbildfunktion zu erforschen. Beide Richtungen informieren sich gegenseitig, um zu einem Bild zu gelangen, das dem eigenen Empfinden entspricht.

In diesem Blogpost möchte ich über Kontrollverluste schreiben und deren Gewinn für die Malerei.

Es gibt potientiell ja unendlich viele Standpunkte und alle sind richtig zu einer bestimmten Zeit. Aber wir verändern uns und unsere Standpunkte auch. Heute beschreibe ich meinen Standpunkt folgendermaßen:

Während vieler Jahre nach meiner Ausbildung beschäftigte mich die überzeugende gegenständliche Darstellung. Ich nahm Abstand von der expressiven Geste und wollte den Dingen auf den Grund gehen und mich dabei zurücknehmen. Das war notwendig, um durch genaue Beobachtung zu lernen, die sichtbare Realität darzustellen. Aber ich erfuhr auch dass die gegenständliche Malerei ein Mittel ist, um die Anerkennung des Publikums zu gewinnen. Ein Maler ist für das große Publikum weiterhin  jemand, der eine überzeugende Illusion der Wirklichkeit erschaffen vermag.

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© Insa Hoffmann

Aber Formfindung im Bild unterscheidet sich von dem Erlangen fotografischer Richtigkeit. Es gibt richtige Darstellungen von Dingen, die deswegen nicht unbedingt visuell interessant sind. Selbst wenn wir beim Malen von einem fotografischen Vorbild ausgehen, wird es immer Malerei bleiben. Die Mittel (Farbe und Pinsel) zwingen uns nach Übersetzungen zu suchen. Ich freue mich, wenn es mir gelingt, dass jeder Pinselstrich objektiv für sich selbst steht, frei von der beschreibenden Funktion, die er erfüllt, wenn er der Illusion von Dreidimensionalität dient.

Ich mag die Qualität des Augenblicks. Er enthält einen Hauch von Ewigkeit. Der Bewegung des Pinsels zu vertrauen und meiner Körpermotorik, heißt Kontrolle aufzugeben. Ich bin ein direkter, spontaner Mensch und habe dennoch den Wunsch, mich sowie die Dinge zu ergründen. Das Beobachtete mit der direkten malerischen Geste einzufangen, gibt mir ein Gefühl von Unmittelbarkeit und Lebendigkeit. In meinem „Zugriff“ auf die Welt um mich herum bin ich immer von diesen polaren Strategien motiviert: dem Beoabachten und dem Loslassen. Ich mag diese Spannung aus genauer Beobachtung und malerischer Gelöstheit. Mit meiner Beobachtungsgabe eigne ich mir die Welt an, erkunde und erforsche sie und stelle Bezüge zu mir her. Während des Malens setzt eine weitere Form der Beobachtung ein: die der künstlerischen Prozesse und meiner inneren Reaktionen. Beobachtung ist nicht trennbar von diesen anderen Ebenen: der Ebene des Materials und der Ebene der Empfindungen.

Was macht das Material (die Farbe, die Pinsel…) ohne mein Zutun? Wie fühle ich mich, wenn ich male? Welche Impulse empfange ich, während ich male? Welche Überraschungen erfahre ich? Was bewerte ich als Fehler, was als Geschenk? Wie bestimmt meine Tageskondition mein Malen?

Ich glaube, dass wir uns durch Gegensätze entwickeln. Die Spannung der Gegensätze zeigt sich in uns, in den gestalterischen Prozessen und letzendlich auch im Bild. Sie ist ein Reibung, die uns in Bewegung hält.

In meiner Malerei versuche ich die gegensätzlichen Zustände zuzulassen. Die Genauigkeit und Präzision, die Losgelöstheit und Lockerheit. Die Beobachtung des Äußeren und das Folgen der Intuition. Ich möchte offenbleiben für die Musik des Augenblicks.

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© Insa Hoffmann

Mein bewusster Vorsatz ist, dass ich mit malerischen Mitteln die Wirklichkeit erkunden will,  aber dann lande ich bei meinen Interpretationen und Gefühlen. Ich treffe immer Entscheidungen aufgrund meiner Gefühle und aufgrund formaler Gegebenheiten des Bildes. Das ist ungemein spannend für mich, die Wirklichkeit nicht als gegeben anzusehen, sondern durch die künstlerische Arbeit die Erfahrung zu machen, dass ich tatsächlich erst diejenige bin, die diese Wirklichkeit erschafft.

In meiner Arbeit schaue ich gerne genau hin, bis ich nur noch Auge bin und im Malen dann nur den Augen traue und nicht dem Vorwissen. Wenn man nur das malt, was man sieht, werden die Bilder besser. Wir arbeiten dann mit unserer rechten Gehirnhälfte und verlassen die vertrauten Denkbahnen.

Ich bin ein Verfechter der Eigenständigkeit der Mittel. Content follows form. Der Inhalt erwächt aus der Form, nicht umgekehrt, die Form dient dem Inhalt. Ich finde meistens Bilder, in die Inhalte eingearbeitet werden, sehr kopflastig. Ich liebe Malerei, die malerisch ist, die sich nicht verleugnet. Vielleicht bevorzugen wir am Ende einfach eine Technik, die mit der eigenen Natur am besten im Einklang ist.

Ich mag Malerei, die malerisch ist. Ich schätze Leichtigkeit mehr als Kontrolle. Wie immer ist es das Schönste, wenn beide Pole sich begegnen und steigern.

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© Insa Hoffmann

Es geht mir nicht um die perfekte Illusion. Ich möchte, dass meine Bilder eine Handschrift haben, einen Duktus, der auf den Urheber weist.

Ich habe mir die gegenständliche Malerei angeeignet, aber es ist ein weiter Weg zur Meisterschaft – in jedem Gebiet. Meisterschaft ist selten geworden heute. Es würde bedeuten, dass ich die Dinge so gut kenne, dass ich sie in ihrer Essenz vermag darzustellen. Es gehört sehr viel Erfahrung dazu, so zeichnen und malen zu können. Ich bin voller Bewunderung für alle, die diese Kunst beherrschen.

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© Insa Hoffmann

Für mehr Informationen über meine Arbeit klickt hier: www.insahoffmann.com

Ich lade euch ein, meine Facebookseite zu besuchen! https://www.facebook.com/insahoffmann.artist

Gebt mir gerne ein Like, wenn ihr meine Arbeit unterstützen wollt!

Ich würde mich freuen, eure Ansichten zu diesem Thema zu hören! Welches malerische Temperament seid ihr?

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INSA HOFFMANN – CREATING YOUR OWN WORLD

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kleines auf blau
© Insa Hoffmann

My name is Insa Hoffmann. I studied painting at the Art Academy in Bologna, Italy. Today I live and work in Kandern, in the south of Germany. I am rooted in landscape painting and at the same time I am interested in abstraction in order to explore painting free of any representational function. Both directions inform each other and lead me to an increased experience of the real.

In this blogpost I want to write about losses of control and how they are wins for the painting.

When it comes to define the right way, there are potentially endless points of view and they all are right at a certain moment. But we change and our points of view too. Today I describe my actual point of view as following:

During many years after my formation I was interested in creating a convincing representational image. I held back the expressive gesture of my formative experimental years because I wanted to go to the bottom of the nature of things. Observation was necessary in order to represent the visible reality. And I understood that it was a means to gain the recognition of my audience easily: a painter for many people is still somebody who depicts the visible and creates a perfect illusion.

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© Insa Hoffmann

But finding a form is different from attaining fotorealistic rightness. There are for sure right representations of things that are boring and visually not captivating. Even if we use a fotografic reference in painting, it remains always painting. The artistic means (brushes, colour) force us to look for translations. I strive in painting for brushstrokes that stand alone free of the function they have in order to create the illusion of space.

I love the quality of the moment. It contains a hint of eternity. Trusting the natural movement of my brush and my body means to release control. Even if I am more the sponanous typ of person I feel a great desire to go to the bottom of the things, of myself and the world around me. Catching my observed impression with a direct painterly gesture gives me the feeling of immediacy and aliveness. In my approach to reality I am always motivated by these two polar strategies: observing and letting go. I love this tension between exact observation and painterly looseness. With observation I explore and investigate and discover connections between me and the outside world. During the creative process starts another form of observation: the observation of the artistic process and my inner responses. Observation is always tied to these two other areas: the area of the material and the area of the emotions.

What does the material (the brushes and the colour) without my conscious doing? How do I feel when I paint? What kind of impulses do I recieve while I paint? What kind of surprises do I discover? What do I value as a mistake, what as a gift ( or as Bob Ross says: a happy accident! :)) How does my daily condition impact my painting?

I believe that we develop through contrast. The tension between the opposing qualities appears in us, in the creative processes and in the end in the painting. It is the friction that keeps us alive.

In my painting I try to accept these contrasting states. The exactness and precision, the looseness and the boldness, the observation of reality and the following my intuition. I want to stay open to the music of the moment. My conscious resolution is to explore reality with paint, but then it happens always that I end in my interpretations and feelings. I make decsions based on my feelings and on formal requirements of the the painting. It is very exciting for me not to see reality as given, but to discover through my work that actually I am the one how creates the world.

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© Insa Hoffmann

In my work I like to look at things closely until I become only my eyes trusting what they percieve and not what I know about what I see. If you paint what you see, the paintings become better. We then work with our right side of the brain and move away from our habitual thinking paths.

For my work I follow the dictum of the autonomy of means. Content follows form. The content comes out of form and not viceversa. I mostly find paintings very intellectual or headbased where the artist wants to convey a certain premeditated content. I love instead painting which is painterly and which does not negate its materiality. In the end maybe we all prefer a technique the is in resonance with our own nature.

I appreciate looseness more than control. But as always the most beautiful art is where both polarities meet and increase each other. I am not after perfect illusion. I prefer my paintings to have a handwriting, a gesture that refers to the maker.

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© Insa Hoffmann

I learned the foundation of representational painting, but it is a long way to mastery – in every field. Mastery has become rare today. It would mean that I know the things so well and possess the skills so that I am able to paint their essence. It certainly needs very much experience to paint and draw like that. I am full of admiration for those who have this mastery.

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© Insa Hoffmann

For more info about my work please go to www.insahoffmann.com

In invite you to visit my Facebook page here: https://www.facebook.com/insahoffmann.artist/

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