# 77: Bildbetrachtung Werk Nr. 0210

ENGLISH TEXT BELOW: CLOSER LOOK AT WORK #0210

mini-SeonaSommer_Walter-neu
Walter, 50 x 50 cm, Öl auf Leinwand, 2017

(Das Bild „Walter“ kann käuflich erworben werden. 30% der Einnahmen werden an die Tansania AG gespendet. Anfragen an: mail(at)sommerkunst.net)

Wie alles anfing

Im Jahr 1984 war ich noch Schülerin und lebte in meiner Heimatstadt Herford, einer etwa 60.000 Einwohner starken Gemeinde in Ostwestfalen. Es gibt viele Klischees über die Menschen von dort, die mehr oder weniger wahr sein mögen. Eines sind sie aber ganz sicher nicht: Menschen, die zum Lachen in den Keller gehen. Vielleicht ruht das Klischee daher, dass die Gemeinden in Ostwestfalen sich abseits von größeren Metropolen oder Grenzen zu anderen Ländern befinden und viele Ostwestfalen daher etwas Berührungsängste haben vor allem, was sie nicht kennen. In solchen Momenten fällt es ihnen eher schwer zu lachen bzw. offen auf andere zuzugehen. Das bedeutet aber keinesfalls, dass sie keine herzlichen Menschen sind! Ich selbst hatte dennoch schon als Jugendliche das Gefühl, dass die ostwestfälische Welt mir viel zu klein und zu eng war. Begonnen hatte das alles mit Walter, der 1984 als Lehrer an meine Schule kam, das Friedrichs-Gymnasium Herford. Er brachte nicht nur „frischen Wind“ mit, wie man so sagt, er brachte gleich die große weite Welt zu uns. Denn er kam aus Tansania zurück, wo er vier Jahre als Lehrer gearbeitet hatte. Das fand ich unglaublich spannend! Im selben Schuljahr, kurz vor den Sommerferien, hatten wir Projektwoche und Walter bot das Projekt „Tansania AG“ an. Ich meldete mich sofort an, denn alle anderen Projekte erschienen mir im Vergleich langweilig. Ich weiß gar nicht mehr so genau, was ich damals genau lernte, und ich erinnere mich auch nicht mehr, warum ich nicht mehr in der anschließenden Tansania AG mitgearbeitet habe (oder vielleicht doch…?). Aber ich erinnere mich sehr daran, wie ich diesen Lehrer wahrnahm: ein freundlicher, herzlicher, viel lachender, Energie geladener, ein rundum einfach sympathischer Mensch, der mir den Floh ins Ohr setzte, dass es außerhalb von Herford SEHR viel zu erleben gab! UND ich wurde als junger Mensch zum ersten Mal damit konfrontiert, dass ich mich selbst in einer sehr privilegierten Situation gegenüber vielen anderen Menschen auf der Erde befand. Im Prinzip habe ich durch Walter damals zwei Entschlüsse gefasst: Ich wollte die Welt kennen lernen und ich wollte etwas Sinnvolles tun und anderen Menschen helfen.

Die Zwischenzeit

In den darauffolgenden Jahren spürte ich einen großen Drang, diese Ziele und mich selbst zu verwirklichen. Ich beschäftigte mich mit dem Thema Entwicklungshilfe (leistete u.a. ehrenamtliche Dienste im örtlichen Dritte-Welt-Laden), aber auch mit vielen anderen Bereichen, in denen Menschen sich in benachteiligten Situationen befinden. Ich war aber auch ein sehr kritischer Mensch und habe immer alles hinterfragt. Gerade beim Thema Entwicklungshilfe hatte ich viele Fragen bzw. erfuhr oft Dinge, die mir nicht gefielen, die im besten Fall zweifelhaft waren und im schlimmsten nur die Helfer*innen begünstigten, aber nicht die zu Helfenden.  So habe ich einige Wege nicht weiterverfolgt, weil ich nicht das Gefühl hatte, wirklich dahinter zu stehen. Andererseits taten sich neue Wege auf. Die „große weite Welt“ erlebte ich vor allem, indem ich mit 21 (das war 1991) alleine zwei Monate durch Indien reiste und schließlich durch mein Studium zuerst in die U.S.A. (3 Jahre) und anschließend nach Mexiko (1 Jahr) kam. Vieles Weitere ist seither passiert, was ich nicht alles aufzählen kann. Vielleicht noch, dass ich mich heute in Köln ehrenamtlich für aus ihrer Heimat geflüchtete Menschen engagiere.

Walter…

… habe ich nach der eher kurzen Erfahrung in der Projektwoche über 30 Jahre nicht mehr gesprochen. Und doch war er der Lehrer unter allen anderen, der für meine persönliche Entwicklung den größten Einfluss auf mich hatte. Ich habe ihn zigfach erwähnt, wenn es um den „Floh“ in meinem Kopf ging, den er mir mit Tansania eingepflanzt hatte. Umso erstaunlicher ist es, das ich bis heute micht in Tansania war! Doch dann fingen die Dinge an, sich wie magisch zusammen zu fügen…

Es begann damit, dass ich für eine große Einzelausstellung im Herforder Rathaus im letzten Jahr auf der Suche nach Herforder Modellen war. Facebook „unterstützte“ mich dabei und… ich fand Walter wieder! Er erklärte sich direkt bereit, eines meiner Modelle zu sein. Ich freute mich sehr! Und da war der „Floh“ plötzlich wieder. Ich spürte die gleiche Begeisterung wie damals, als ich mich wieder mit ihm und seiner Tansania AG beschäftigte. Ich bin sehr beeindruckt davon, wie ein einzelner Mensch seit Jahrzehnten quasi ein Ein-Mann-Entwicklungshilfe-Projekt managt und durch sein unermüdliches Spendensammeln schon sehr, sehr vielen Menschen die schulische oder berufliche Ausbildung finanzieren konnte. Menschen, die sich diesen Traum in Tansania niemals hätten alleine erfüllen können. Wichtig ist: Jeder eingesammelte Euro wird für Bedürftige in Tansania verwendet. Nichts wird für Spesen, Werbekosten etc. etc. ausgegeben.

Und im nächsten Jahr werden mein Mann und ich Walter in Tansania besuchen!

Wer die ehrenamtliche Arbeit von Walter Rausch und die Tansania-AG unterstützen möchte, kann hier Kontakt aufnehmen: >>Tansania AG des Friedrichs-Gymnasiums Herford & >>Walter Rausch bei Facebook oder per Email: walter.rausch@t-online.de

!! Auch interessant !! >>Die Familienbäume aus Tansania – ein Gastbeitrag im SommerKunstBlog von Walter Rausch selbst >> LETZTE WOCHE HIER IM SOMMERKUNSTBLOG

>> Zum Liken, Teilen, Kommentieren bitte ganz nach unten scrollen.


CLOSER LOOK AT WORK #0210

mini-SeonaSommer_Walter-neu
Walter, 50 x 50 cm, oil on canvas, 2017

(The painting „Walter“ is offered for sale. 30% will be donated to the Tansania AG. >Please send your enquiry here: mail(at)sommerkunst.net)

How It All Began

In 1984, I was still a highschool student and living in my hometown Herford, a city of maybe 60.000 residents then, located in the region of East Westphalia. There are a high number of stereotypes on the people from there. Some of them might even be true. Only one of the strongest ones is definitely not: East Westphalians do not „go down into the basement when they want to laugh“, as they say. Maybe the stereotype originates from the fact that all cities in East Westphalia are far from anything similar to metropolises and also far from any borders to other countries. So the people often seem to be a bit reserved or might even feel intimidated by everything they do not know. In moments like these, they have a hard time smiling or engage openly with strangers. This does not mean, however, they are not really nice & friendly & warm people! Still, as a teenager I was already feeling that East Westphalia was a lot too small and narrow for me. This all really started, when in 1984, Walter showed up at our high school as a new teacher, the Friedrichs-Gymnasium Herford. He didn’t only bring a wind of change, as you say, he did bring the big wide world to us. For he had just been returning from Tanzania, where he had lived and worked as a teacher for the previous four years. I found that really exciting! During the same school term, shortly before the summer break, we had a project week at our school and Walter offered a project named „Tansania AG„. I enrolled immediately as all the other projects seemed completely boring in comparison. I do not recall what exactly I learnt in that project back then nor do I remember why I didn’t engage more in the Tansania AG after that week (or maybe I did…?). I do remember in detail, though, the impression that Walter left on me: he was a friendly & warm guy, who was smiling a lot and was full of energy, I immediately liked him a lot. In that week, he filled my head with fancy ideas about how MUCH there was to explore outside of Herford! AND, as a young person, for the first time in may life, I became aware of the fact that I belonged to the privileged class and there were plenty of people in the world who don’t. So basically because of Walter I made to decisions then: I wanted to see the world and I wanted to do something that made sense and could help other people.

The Meantime

During the following years, I felt a strong desire to realize my objectives and to grow personally. I became especially interested in the topic of development aid (and, among other things, volunteered for the local Third-World-Shop), but also generally in all kinds of fields where there were people being disadvantaged in some way or other. However, I have always been a very critical person, too, and I have always taken a closer look. Especially when it came to foreign aid, I often found out about things I couldn’t agree with. At best, they were only a bit dubious – at worst, the money was exclusively spent on the so-called helpers instead on those who actually needed the help. So I stopped following some of the paths I had stepped on, but others appeared. The „big wide world“ I started exploring when I was backpacking on my own for two months in India in 1991 (I was 21 then), and later, after finishing my M.A.  degree, I moved to the U.S. (3 years) and Mexico (1 year). Much more has happendes since then but I cannot list everything. Maybe only the fact that nowadays I volunteer to help some of the refugees that have recently come to Germany.

Walter…

…I didn’t see nor talk to for more than 30 years after that short intermezzo in the project week. And still he was the one teacher among all others that had the biggest influence on my personal development. I named him umpteen times when talking about „the fancy ideas in my head“ that all started with Tanzania. It’s all the more astonishing since I haven’t been to Tanzania until today! But then things started to magically fall into place…

It began when I was preparing a big solo exhibition at the City Hall of Herford last year and I was looking for models from Herford that I could paint. I was „supported“ by Facebook a lot and… I found Walter again! He immediately agreed to become one of my models. I was really happy! And I could feel the „fancy ideas“ again. I felt the same enthusiasm as years ago in the Tansania AG. I am so impressed by the fact that a single human being has managed a one-person-foreign-aid-project for decades now and that he has helped a high number of young people in Tansania to complete their school education or vocational training. These people would never have had the money to pay the fees themselves. It is important to know that every Euro is spent on the people, and nothing is spent on other expenses like advertising or hotel costs etc.

And next year, my husband and I will be visiting Walter in Tanzania!

If you want to support Walter Rausch’s voluntary project and the Tansania-AG, please contact them here: >>Tansania AG des Friedrichs-Gymnasiums Herford & >>Walter Rausch bei Facebook or by email: walter.rausch@t-online.de

!! Interesting too !! >>The Family Trees from Tanzania – a Guest Article in SommerKunstBlog by Walter Rausch himself >> LAST WEEK HERE IN SOMMERKUNSTBLOG

>> Please like, comment, share.

image_pdfPDFimage_printDrucken / Print

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.