# 47: Ist das Kunst oder kann das weg? Oder: Warum Leon Löwentraut ein Künstler ist (1)

ENGLISH TEXT BELOW: IS THIS ART OR RUBBISH? – OR: REASONS WHY LEON LÖWENTRAUT IS AN ARTIST (PART 1)

Ein Traum

Ich hatte einen Traum: Ich wurde plötzlich „entdeckt“. Irgendeine nicht sehr bekannte, aber durchaus aktive Galerie hat mich unter Vertrag genommen und eine Werbekampagne gestartet. Hinzu kam, dass eine befreundete Journalistin aus dem Feuilleton meiner Anfrage nach einem Artikel über mich nachkam. Weiterhin wurden diverse Bewerbungen, die ich ins Blaue hineingeschrieben hatte, angenommen, so dass ich plötzlich mehr oder weniger zeitgleich auf verschiedenen Venues im In- und Ausland sowie in der internationalen Presse auftauchte. Diese Häufung an Publizität führte unweigerlich dazu, dass man mich von heute auf morgen sehr geballt wahrnahm. Weitere Anfragen trudelten ein. Und plötzlich meldeten sich auch New York, Dubai, Hong Kong. Ich hatte den Durchbruch geschafft! Ein Traum! Bis, ja bis, irgendjemand plötzlich auffiel, dass ich gar keine richtige Kunst mache, sondern nur bluffe… . Ich fiel und fiel und fiel ins Bodenlose… . Doch dann wachte ich glücklicherweise auf. Nur ein Traum?

Ich

Ich lese nicht sehr regelmäßig Kunstrezensionen. Ich kenne nur wenige professionelle Kunstkritiker_innen persönlich. Ich besuche nicht laufend die großen Messen und Ausstellungen rund um den Globus oder auch nur in Deutschland. Ich habe das Kunsthandwerk nicht von der Pike auf – mittels eines Kunststudiums – erlernt. All das disqualifiziert mich wahrscheinlich für den folgenden Artikel.

Ich bin selbst Künstlerin. Ich kenne sehr viele professionelle und weniger professionelle Künstler_innen. Ich bin Autodidaktin. Ich habe Workshops bei international sehr erfolgreichen Künstlern besucht. Ich habe eine Vision und eine Botschaft. Ich kuratiere eine größere jährliche Stadtteilveranstaltung in Köln, zusammen mit meinem Kollegen Udo Funk. Ich stelle selbst regelmäßig aus. Ich werde hier und da angenommen oder auch schon mal abgelehnt. Ich bilde mir ein, dass diese Attribute mich für die folgende, ganz persönliche Meinung qualifizieren.

Leon Löwentraut

Neulich las ich in einem Artikel von Sabine Danicke  in der art (4/2017): „Aktuell überschätzt: Leon Löwentraut, der vermeintliche Shootingstar der Kunstszene, mixt Picasso, Matisse und Neonfarben zu etwas zusammen, das aussieht wie Kunst, aber tatsächlich keine ist – und wird leider dafür derzeit gefeiert.“ Dazu ein paar ausführlichere Worte zu Leon Löwentrauts nicht-akademischem Werdegang, begleitet von unsachlichem Wortmaterial wie „kritzelte und kringelte„.

Ich kannte den jetzt 19-Jährigen bis dato nicht. (Schlimm?) Habe ihn und seine Kunst dann mal recherchiert und mich – still & heimlich – gefragt, ob ich ihn auch direkt als Nicht-Künstler hätte identifizieren können. Um es vorweg zu nehmen: Die Antwort ist nein. (Falsche Antwort?) Ehrlich gesagt,  ist mir auch beides egal, denn die Frage, die sich mir beim Lesen des Artikels maßgeblich stellte, war: Wie ist es möglich, dass eine führende, meinungsbildende deutsche Kunstzeitschrift über einen erfolgreichen 19-Jährigen so disqualifizierend urteilen kann, dass sie ihm einfach unterstellt, er mache gar keine Kunst?

Es kam noch schlimmer

Zwei Monate später, am 17.06.2017, erschien anlässlich der Art Basel in der Neue Zürcher Zeitung die Kolumne „Was man nicht kaufen sollte“ von Philipp Meier. Dort ging es nicht nur um EINEN verumglimpften Künstler, sondern in einem Text von knapp 400 Wörtern gleich um 14 verunglimpfte Künstler und 1 Künstlerin – nicht ohne am Ende zusätzlich anzumerken, dass dies eigentlich nur der Beginn einer in Wahrheit unendlichen Liste ist. Um in so einem Rundumschlag eindrucksvoll zu begründen, warum all diese Künstler „nicht des Geldes wert“ sind, braucht man klare und plakative Worte, womit Philipp Meier nicht geizt: „todlangweilig„, „farblos„, „schlecht„, „überschätzt„, „heiße Luft„, „dilettantisch“ sind nur einige Attribute, mit denen man eine schnelle Wirkung erzielen kann. Selbst Picasso kommt nicht gut weg, kann man doch heute laut Autor höchstens noch ein „Sudelblatt“ von ihm erhaschen. Hm, ein Schelm wer denkt, Philipp Meier habe sich selbst ausgetrickst, weil er mit dieser Methode bloß „Déjà-vu-Effekthascherei“ betreibt und viel „heiße Luft“ produziert. „Wer weiß eigentlich, wie gut haltbar seine [Thesen] sind?“ [Zitat nur unwesentlich durch mich angepasst 😉 ] Ich jedenfalls finde sein „Bettgeschichten-Gekritzel dilettantisch„. [Anmerkung: kursiv Gedrucktes sind Zitate aus besagtem Artikel]

Was ist Kunst?

Was mich nun unweigerlich zu der Frage führt: Was ist denn GUTE KUNST? Das jedenfalls wird in keinem der Artikel beantwortet. Auch nicht, warum Leon Löwentrauts Kunst keine ist. Stattdessen werden von Frau Danicke auch ihre Mitmenschen verallgemeinernd vorverurteilt: „Und weil die Menschen etwas, das so ähnlich aussieht wie Kunst, gern für Kunst halten, war der Jüngling bald ein Star.“ Ebenso bei Herrn Meier: „Sozusagen blind greifen die Sammler zu.“ „Die Menschen“ sind also im Wesentlichen Schuld daran, dass ein 19-Jähriger seinen Fake-Traum leben darf oder eine große Kunstmesse sich finanzieren kann.

Zugegeben, KUNST ist ein vager und dehnbarer Begriff und wird im Allgemeinen sehr unterschiedlich definiert. Dass es da wesentliche Unterschiede gibt zwischen denen, die mit Kunst ihr Geld verdienen (müssen) oder die ihr Vermögen in größerem Umfang dafür anlegen, und solchen, die noch nie eine Galerie von innen gesehen haben, ist klar. Dennoch, es sollte allgemeingültige Kriterien geben, auf die man sich vielleicht einigen kann. Ich will da nicht kneifen und meine eigene Vorstellung dazu darlegen. Das ist als Angebot zu begreifen, nicht als Maßstab aller Dinge. Ich lade euch aber zunächst dazu ein, eine Woche lang – bis zu meinem nächsten Artikel – selbst darüber nachzudenken, wie ihr KUNST definiert!?

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IS THIS ART OR RUBBISH? – OR: REASONS WHY LEON LÖWENTRAUT IS AN ARTIST (PART 1)

A Dream

I had a dream: I was suddenly „discovered“. Some not very well-known but still very active gallery contracted me and started a campaign for me. In addition, a journalist friend of mine finally answered my request to write an article in the culture section about me. Last but not least, several applications I had recently submitted were accepted more or less at the same time so that, because of this simultanously cumulative visibility, I suddenly attracted a lot of attention from around the world and the international press. And I received further offers. Eventually New York, Dubai, Hong Kong and others contacted me. This was a major breakthrough for my art! It was a dream! Until, well, until someone suddenly found out that I wasn’t making real art actually but was only bluffing… . Then I was falling and falling into bottomless depths… . Until I finally woke up. Only a dream?

Me

I don’t read art reviews on a very regular basis. I don’t personally know many professional art critics. I don’t constantly attend all the big art fairs around the globe or even in Germany. I didn’t go to art school. This all may disqualify me for the following opinion that I am going to present you.

I am an artist. I personally know a great number of highly professional or semi-professional artists. I am self-taught. I have attended art workshops with internationally very successful artists. I have a vision and a message. Together with my colleague Udo Funk, I curate a big annual art show in a Cologne neighborhood. I regularly exhibit my art. My submissions are either accepted or declined. I believe that all these attributes do qualify me for the followiong opinion.

Leon Löwentraut

In an article by Sabine Danicke  in art (4/2017) [editor’s note: major German art magazine] I recently read: „Currently overestimated: Leon Löwentraut [editor’s note: German artist], alleged shooting star of the art scene, mixes Picasso, Matisse, and neon colors into something that looks like art, but is actually not – and unfoturnately, he is being celebrated for it.“ She adds a few words on Leon Löwentraut’s non-academic biography and uses unobjective word material such as „doodling and scribbling“.

I didn’t know the now 19-year-old until then. (Bad?) So I did some research on him and his art and secretely asked myself whether I could have identified him as non-artist right away too. To be honest: the answer is no. (Wrong answer?) Frankly, I don’t care. The question that I considered most important instead while reading the article: how come a leading German art magazine can disqualify a successful 19-year-old by claiming he is not making art?

It Got Even Worse

Two months later, on 17 June 2017, the article „What You Shouldn’t Buy“ by Philipp Meier was published in Neue Zürcher Zeitung referring to Art Basel. Not just ONE artist was being disparaged by the author, but actually a number of 14 artists in a text of only 400 words! And this, according to the author, was only the beginning of an actually never ending list. In order to convincingly get the message across and to justify why these artists are „not worth the money„,  you need clear and bold words, which Philipp Meier uses a lot: „dead boring„, „colorless„, „bad„, „overestimated„, „hot air„, „dilettantish“ are only some of the words that might effectively underpin his claims. Not even Picasso comes out well as, according to the author, you can only catch a „messy work“ of his nowadays. Well, shame on those who now conclude that Philipp Meier has outsmarted himself as, by using this method, he only engages in „déjà-vu-sensationalism“ and produces a great deal of „hot air„. „Who knows how accurate his [claims] are?“  [This quote was only slightly adapted by the editor 😉 ] I, at any rate, think his „bed-affairs scribbling is dilettantish„. [Editor’s note: quotations from the article are in italics – I tried my best to find the correct translations.]

What Is Art?

This all this inevitably brings me to the question: what is GOOD ART? There is no answer to this in none of the two articles. Neither is there an explanation why Leon Löwentraut’s art is no art. Instead Mrs Danicke pre-judges her fellow human beings in general, „And beause people like to assume that something that looks like art actually is art, the young lad soon became a star.“ Just like Mr Meier, „Collectors purchase art as if they were blind.“ So „the people“ are to blame that a 19-year-old can live his fake dream, or that a big art fair turns out profitable.

I admit that ART is a vague and flexible concept, and definitions are generally very diverse. Of course, there are essential differences between those who (have to) make their living with art or who invest large amounts of their income in purchasing art, and those whose have never seen a gallery from the inside. Still, there should be some common ground that we can base on our collective understanding of art. I don’t want to chicken out and will present my personal opinion, which is in no way meant to be the measure of all things but an offer only. First, however, I invite you to think about your own opinion on how you define ART!?  Until I will tell you about my defintion in my next article next week 🙂

>> TO BE CONTINUED NEXT WEEK

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