# 22: Bildbetrachtungen Werke Nr. 0182/0192/0197/0199

ENGLISH TEXT BELOW: CLOSER LOOK AT WORKS #0182/0192/0197/0199

Im letzten Jahr habe ich vier Kinderporträts fertig gestellt, die für sich betrachtet sehr unterschiedlich sind und teilweise in ganz verschiedenen Techniken angefertigt wurden. Dennoch sticht ein gemeinsames Merkmal hervor: Der Titel besteht aus einer vollständigen Antwort oder einer Frage. Was hat es damit auf sich? Aus aktuellem Anlass möchte ich dieser Frage hier einmal nachgehen: Das Bild „Und jetzt?“ hängt noch bis zum 19.02 im Grand Salon (Villa Berberich, Bad Säckingen), einer großartigen, von der international bekannten Künstlerin Elena Romanzin kuratierten, Ausstellung in Süddeutschland.

Das Pastellbild „Und jetzt?“ (38 x 28 cm, auf Pastelmat, Nr. 0192) basiert auf einem Referenzfoto, das Freunde auf einer Reise durch Kambodscha gemacht haben. Das Gesicht ist stark herangezoomt. Hierdurch wird die Begegnung der Betrachterin/des Betrachters mit dem Mädchen sehr intensiv. Denn dieses ist ja ein wesentlicher Aspekt meiner Porträtkunst: Ich schaffe Begegnungen. Ein Kindergesicht ist zunächst mal immer irgendwie niedlich. Aber diese Art der Betrachtung (ich hier und erwachsen – du da und niedlich) schafft eine Distanz und eine Bewertung und unterstreicht letzendlich die Diminution. Je näher hingegen ein Gesicht vor einem ist, desto mehr befindet es sich „auf Augenhöhe“, desto mehr wird aus der Betrachtung eine Begegnung, desto eher empfinden wir Handlungswillen. Der intensive und geradlinige Blick in meine Richtung wird aber nicht nur durch den Bildausschnitt intensiviert, der mir jeglichen Ausblick auf die dahinterliegende Umgebung nimmt. Auch das Gesicht selbst mit den intensiven Pausbacken und dem vollen Haar „drängt“ sich mir als Betrachterin auf. Wie schon bei meiner Kinderporträt-Zeichnung „Maybe“ (2) (50 x 40 cm, Bleistft, Kohle & Kreide auf Papier, Nr. 0197) suggeriert der Titel eine stattfindende Kommunikation. Während „Maybe“ jedoch eine Antwort (des Kindes auf alle möglichen Fragen, die ich dem Mädchen gerne stellen würde) ist, ist „Und jetzt?“ die Frage des Kindes an mich. Als Betrachterin empfinde ich nun einen inneren Konflikt zwischen „süßes Mädchen, das mir etwas gibt“ und „ein realer Mensch, der etwas von mir fordert“.

© Seona Sommer

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Autonomer und weniger „kommunikativ“ wirken die beiden unteren Mädchen.  Das Kind unten links ist sogar von mir abgewandt. Ich kann so gerade noch ihr Gesicht sehen, aber sie scheint versunken und mich gar nicht wahrzunehmen. „What Are You Dreaming Of?“ (140 x 100 cm, Öl auf Leinwand, Nr. 0182) ist daher meine Frage an das Mädchen des Ölporträts. Der Lichteinfall des  Hintergrundes suggeriert helles und warmes Sonnenlicht, so dass ich als Betrachterin annehme, dass dieses einen Hinweis auf die angenehmen und träumerischen Gedanken & Gefühle des Mädchens gibt. Ich bin also neugierig. Das Kind im Pastellbild unten rechts setzt unserer „Kommunikation“ bewusst eine Grenze und fordert mich auf: „Gib mir Raum.“ (39 x 29 cm, auf Pastelmat, Nr. 0199) Es wendet sich nicht ab, aber schließt die Augen. Ein klares Signal.

Die Titelgebung dieser vier Porträts fand rein intuitiv statt. In keinem Fall hatte ich mir vorher überlegt, dass all diesen Kinderporträts etwas gemeinsam sein sollte – und doch war es am Ende so. Vielleicht deshalb, weil Kinder oft authentischer sind und uns deutlich zu verstehen geben, in welcher Stimmung sie gerade sind – WENN wir bereit dazu sind, uns auf sie und auf ihre Sprache einzulassen.

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CLOSER LOOK AT WORKS #0182/0192/0197/0199

Last year I finished four children’s portraits that are all a lot different in size and technique, but they do have something in common: their title consists of a full answer or question. What is the reason for this? As one of the four portraits, „And Now What?“, can currently be seen at Grand Salon (Villa Berberich, Bad Säckingen/Germany), a magnificent exhibition curated by internationally well-known artist  Elena Romanzin.

The pastel painting „And Now What?“ (38 x 28 cm, on Pastelmat, #0192) is based  on a reference photo that was taken by friends on a trip to Cambodia. Because of the close-up shot the viewer’s encounter with the girl is quite intense. And this is a crucial aspect of my portrait art: I create encounters. A children’s face is always cute somehow at first. This perspective, however (me here and an adult – you there and cute) creates a distance and is a judgement and marks the diminution. However, the closer you see a face in front of you, the more you communicate on equal terms, the more the contemplation turns into an encounter, and the more we feel an urge to act. The intense and straight look at me is not only emphasized by the close-up shot, however, which takes away any chance of seeing the surroundings. Also the face itself with the chubby cheeks and the full hair imposes itself on me as the viewer. Just like the title of my children’s portrait „Maybe“ (2) (50 x 40 cm, pencil, chalk & chalk on paper, #0197), this title also suggests a happening dialog. Hoever, whereas „Maybe“ is the response (of the child to all kinds of possible questions I would like to ask the girl), „xxx“ is the question the child is asking me. As the viewer I now feel an inner conflict between the „cute girl that has something for me to give“ and “ a real human who is asking something of me.“

© Seona Sommer

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The two girls on the bottom seem more autonomous and less communcative. The child on the left has even turned away from me. I can hardly see her face. She appears immersed in herself and not even noticing me.  „What Are You Dreaming Of?“ (140 x 100 cm, oil on canvas, #0182) is my question to the girl therefore. The incidence of light in the background suggests a brightly shining sun, which evokes the assumption that the girl might be pleasantly daydreaming – which again makes me curious. The child in the pastel painting on the bottom right, however, clearly defines a border in our communication and asks me, „Give me space.“  (39 x 29 cm, on Pastelmat, #0199) She doesn’t turn away but closes her eyes. A clear signal.

Choosing the titles came entirely intuitively. I did not purposely intent these portraits to have something in common – but that’s exactly what happend. Maybe that’s because children are usually more authentic and openly show us which moods they are currently in – IF we are ready to understand their language.

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