20 | Die Fotograf:innen, mit denen ich zusammenarbeite (1)

Ein Großteil meiner Kunstwerke basiert auch auf der Zusammenabeit mit professionellen Fotograf:innen. Erfahre in dieser Mini-Serie, warum das in der Kunstwelt nicht immer ein Vorteil ist, aber warum ich dennoch nichts daran ändern möchte.

Referenzfotos, die nicht von der Künstlerin oder dem Künstler selbst stammen, werden in der Kunstwelt kontrovers diskutiert

Seit Beginn meiner Künstlerinnenkarriere nutze ich Referenzfotos für meine Malerei. Während andere Künstler:innen Fotos von Freund:innen oder Familie machen oder auch bezahlte Models engagieren, ging es mir immer darum, die großartige Diversität der Menschheit zu porträtieren. Freund:innen und Familie gehören natürlich auch dazu, aber sie repräsentieren nur einen kleinen Teil der Menschheit. Ich reise durchaus gerne und habe dann natürlich auch immer meine Kamera dabei, aber meine eigenen Fotos sind nicht immer auch für meine Kunst geeignet.

Zum einen kann ich gar nicht so viel reisen, wie ich es müsste, um einen entsprechenden Fundus zu haben. Vor allem aber sind meine Fotografiekenntnisse an einem bestimmten Punkt stehen geblieben, während ich mich in der Malerei immer weiterentwickelt habe. Ich bin in erster Linie ja auch eine Malerin! Ich hatte nie das Bestreben, auch eine exzellente Fotografin zu werden. Daher sind gute Ergebnisse auf meiner Speicherkarte mehr ein Zufall als alles andere. Und daher habe ich schon früh damit begonnen, nach professionellen Fotograf:innen Ausschau zu halten.

In der Kunstwelt wird dieser Ansatz nicht immer gewertschätzt. Ein:e Künstler:in soll eigene Referenzfotos machen oder wenigstens das Setting selbst kreieren und dann eine:n Fotograf:in dafür engagieren. Ich weiß nicht, warum das so ist. Für mich und meinen globalen Ansatz ist das aber aus oben erläuterten Gründen schlicht nicht möglich. Ich muss es daher in Kauf nehmen, dass manche Galerien und Kurator:innen nicht mit mir arbeiten möchten.

Meiner Meinung nach gibt es kein „gut“ oder „schlecht“, wenn es um Arbeitsprozesse, Techniken oder Gerätschaften beim Erschaffen von Kunst geht. Ich möchte an dieser Stelle gerne einen meiner zeitgenössischen Lieblingskünstler und auch Mentor Alejandro Carpintero zitieren, der sagt: „Ich mache keine Kunst, um ‚besser‘ als andere zu sein. Ich mache Kunst, um mich darin auszudrücken.“

Ich möchte dir daher einige der Fotografi:innen vorstellen, mit den ich zusammenarbeite, und möchte dir davon erzählen, wie sehr mich diese Zusammenarbeit bereichert – als Künstlerin und als Mensch.

Hans-Joachim Reiter, Deutschland

Jochen (geboren an Sylvester 1945) war nicht der erste Fotograf, mit dem ich zusammengearbeitet habe, aber der erste, bei dem unsere Zusammenarbeit einen entscheidenen Einfluss auf meine Kunst hatte. Ich habe durch ihn erfahren, wie sehr eine Zusammenarbeit mich bereichern kann, und auch gelernt, nach welchen Kriterien ich Fotos auswähle. Jochen lebt in der gleichen Stadt wie ich, Köln, und wir haben uns kennen gelernt, weil er an einem größeren Kunst-Event teilnahm, dass ich mehrere Jahre organisiert und kuratiert habe. Als ich seine Porträtfotos zum ersten Mal sah, fand ich sie so unglaublich schön, dass ich sie unbedingt malen wollte. Ich konnte in seinen Fotos sehen, dass er eine große Zuneigung dem Model vor der Kamera gegenüber empfand und dass er allgemein einen sehr emotionalen Ansatz bei der Fotografie hatte.

Tanja
Pastellkreide auf Pastelmat© | 55 x 55 cm
2018
Referenzfoto: Hans-Joachim Reiter
Tanja
Pastellkreide auf Pastelmat© | 42 x 65 cm
2018
Referenzfoto: Hans-Joachim Reiter

Ich hatte schnell das Gefühl, dass Jochen und ich uns künstlerisch sehr gut verstanden. Von da an wusste ich auch, dass ich in der Fotografie niemals die gleichen Ergebnisse erreichen würde wie in der Malerei. Als Künstler:in braucht man neben den technischen Fertigkeiten auch Talent, die richtige Einstellung, ein offenes Herz und die Fähigkeit, all das im besten Sinne miteinander zu kombinieren. Und schließlich braucht man noch ein gewisses Gefühl, durch das man sich innerlich sehr eng mit seiner Thematik verbindet.

Wenn ich Jochens Porträtfotos betrachte, kann ich die Seele des Models spüren. Was ich dabei empfinde, versuche ich in meine Malerei einzubringen. Dasselbe bereits mit der Kamera einzufangen ist mir selbst zwar nicht unmöglich, aber es ist etwas ganz anderes und daher für mich sehr viel schwieriger. Das liegt unter anderem daran, dass ich für so etwas Zeit brauche. Die Ölmalerei bietet mir diese langsame Arbeitsweise, Fotografie ist im Gegensatz dazu ein wesentlich schnellerer Akt. Abgesehen von technischen Aspekten, glaube ich und habe es auch so erlebt, dass die Emotionen zweier Künstler:innenseelen (der Fotograf und die Malerin) zusammengenommen am Ende ein spektakuläres Werk erschaffen.

Jochen ist kein reiner Porträtfotograf, sondern beherrscht auch viele andere Genres exzellent, wie zum Beispiel Landschaft, Architekturdesign und Stillleben.


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