145 | Wie Künstler*innen die Corona-Krise überleben

Das Leid der Künstler*innen in der Krise

Die Corona-Pandemie hat unsere Welt verändert. Viele Menschen stehen plötzlich vor ungeahnten Herausforderungen. Auch viele Künstler*innen weltweit können nicht mehr ihrem normalen Geschäft nachgehen: Galerien haben geschlossen oder können zumindest keine Vernissagen in gewohntem Ausmaß durchführen, Messen sind abgesagt, Aufträge brechen angesichts der Wirtschaftskrise weg, Atelierbesuche oder Malkurse können aufgrund der Kontaktbeschränkungen nicht oder nur in sehr reduzierter Form stattfinden, die ohnehin und oft auch schon vorher prekäre Lebens- und Arbeitssituation vieler freischaffender Künstler*innen bewegt sich plötzlich auf eine handfeste Existenznot zu. Wer „Glück“ hat, ist nur nebenberuflich Künstler*in und hat ein zweites Standbein, dass auch jetzt noch funktioniert.

Neue Geschäftsmodelle entwickeln sich

Aber Künstler*innen wären nicht Künstler*innen, wenn sie nicht auch in dieser Situation kreative Ideen entwickelten. Nach dem ersten Schock entstehen neue Geschäftsmodelle, die oft mit geringem Aufwand und auch wenig finanzieller Investition umgesetzt werden können und deren Produkte für wenig Geld erworben werden können, um schnelle und einfache Kaufanreize zu schaffen.

Auch Künstler*innen untereinander helfen sich, wo sie können. In Spanien hat sich während der harten und langen Ausgangssperre ein Künstler*innen-Netzwerk entwickelt, in dem Künstler*innen preisgünstige Arbeiten für 200 EUR anbieten, um sie gemeinsam zu bewerben und an Künstler*innen ohne Existenznöte oder andere Kund*innen verkaufen. Jede*r teilnehmende Künstler*in verpflichtete sich dabei, die Einnahme aus dem Verkauf der fünften Arbeit für 200 EUR wiederum in den Kauf der Arbeit einer*eines anderen Künstler*in aus dem Netzwerk zu investieren.

Der SommerKunstBlog unterstützt Künstler*innen, die Ideen haben

Der SommerKunstBlog möchte Künstler*innen eine Öffentlichkeit anbieten und solche Geschäftsmodelle vorstellen. Es handelt sich dabei meist um sehr erschwingliche Angebote, die mit einfachen Mitteln umgesetzt werden, um die Schwelle für Kund*innen möglichst niedrig zu halten. Ein erster Beitrag zu dem Thema ist bereits erschienen: 139 | WhatsApp-Malkurs mit Alejandro Carpintero aus Madrid. Dieses Beispiel zeigt, wie man sogar per WhatsApp tolle Malkurse geben kann. Das Bezahlmodell war einfach und einladend: Die ersten Wochen waren quasi gratis, der Künstler hat um Spenden gebeten und in den späteren Wochen um einen geringen zweistelligen Beitrag für die weitere Teilnahme. Wie er sagte, geschah dies auch aus Rücksichtnahme auf diejeinigen, denen selbst alles weggebrochen war. Da er in dieser Zeit allerdings mehrere hundert Teilnehmer*innen hatte und sich viele in den Gruppen absolut begeistert äußerten, ist davon auszugehen, dass er die langen Wochen gut überleben konnte.

Kunst als Mehrwert in einer Gesellschaft

Aber es geht hierbei nicht nur um die Kunst. Es geht auch darum, wie wir in Zukunft miteinander leben wollen und welche Art von Gesellschaft für uns wertvoll erscheint. Viele Menschen unterstützen gerade ganz bewusst Geschäfte oder Restaurants in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft, weil es ihnen wichtig ist, dass diese auch nach der Krise noch da sind und weil auch der persönliche Bezug da ist – ein Mehrwert also. Wohingegen das neue T-Shirt aus dem tollen Shop in der City in den letzten Wochen nicht mehr so im Fokus der Aufmerksamkeit stand. Kunst stellt auch einen Mehrwert dar. Unterstütze jetzt ganz bewusst (andere) Künstler*innen, damit sie über die Runden kommen. So können Künstler*innen mit (neuen und zusätzlichen) niedrigschwelligen Angeboten einen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen und ihren Kund*innenkreis erweitern.

In Kürze erscheinen zwei weitere Beiträge im SommerKunstBlog, in denen weitere einfache Geschäftsmodelle vorgestellt werden: Der indische Fotograf Anjan Gosh bewirbt derzeit sein neues Fotobuch in digitalem Format. Und der Kölner Künstler André Böxkes hat ein spannendes Polaroid-Projekt entwickelt.

Was du tun kannst?

  • Unterstütze Künstler*innen während der Corona-Krise, indem du ein niedrigschwelliges Produkt von ihnen kaufst!
  • Teile Angebote von Künstler*innen auf Social Media Kanälen, damit sie ihren Kund*innenkreis erweitern können.
  • Als Künstler*in erzähle anderen, welche Strategie du gefunden hast, und inspiriere sie dazu, selbst eine zu entwickeln!

Du bist selbst Künstler*in oder kennst eine*n Künstler*in mit einem spannenden Angebot? Wende dich an den SommerKunstBlog, um über einen Gastbeitrag zu sprechen!

Info: Der SommerKunstBlog unterstützt Künstler*innen, die während der Corona-Krise neue und einfache Geschäftsmodelle entwickelt haben, um niedrigschwellige Angebote zu schaffen. Hier kann man man unkompliziert und für wenig Geld Originalkunst oder ein anderes Produkt oder eine Dienstleistung einer Künstlerin*eines Künstlers erwerben. Diese Gastbeiträge sind daher inhaltlich eher kurz und beziehen sich direkt auf das Angebot.

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