Titelbild Gastbeitrag 34

141 | Finalist*innen des Internationalen Kunstwettbewerbs: Die Banalität des Bösen in unserem täglichen Leben

Die Kunstinitiative, The Banality of Evil in our Daily Lives Art Prize, wurde von einem unabhängigen Kunstkollektiv ins Leben gerufen und am 6. November 2019 hier im SommerKunstBlog vorgestellt. Heute veröffentlicht der SommerKunstBlog die Ergebnisse des Wettbewerbs, der durch die Corona-Pandemie unvorhergesehenerweise eine ganz aktuelle Bedutung bekam.

Coronavirus – Ist dies die Banalität des Bösen in unserem täglichen Leben ?

Eine Botschaft, die wir nach unserem internationalen Künstlerwettbewerb erhalten haben:

Ich habe in den Nachrichten davon gehört, wie ein Busfahrer in den USA gestorben ist, nachdem eine Passagierin vier oder fünfmal in seinem Bus gehustet hat, ohne sich die Hand vor den Mund zu halten. Wie banal…

© Brami Léa (Frankreich

„Hi Ula, ich hoffe, es geht dir gut und du passt in diesen schwierigen Zeit gut auf dich und deine Familie auf. Gerade kommt mir der Gedanke, wie aktuell dieser Wettbewerb angesichts dessen ist, was gerade alles passiert. Ich habe in den Nachrichten davon gehört, wie ein Busfahrer in den USA gestorben ist, nachdem eine Passagierin vier oder fünfmal in seinem Bus gehustet hat, ohne sich die Hand vor den Mund zu halten. Wie banal… Dieser Wettbewerb ist unglaublich. Wie mit einer Lupe kann die Welt dadurch die schlimmen Dinge sehen, die so passieren. Ich meine, wer hätte gedacht, dass man durch Husten töten kann.

Es scheint so normal zu sein, aber jetzt ist es plötzlich tödlich. Ich würde mich über eine Kampagne auf eurer Webseite freuen, mit der ihr Menschen dazu ermutigt, beim Husten oder Niesen vorsichtiger zu sein. So dass die Leute erkennen, dass Husten und Niesen eigentlich total banal ist, aber jetzt böse und tödlich sein kann. Nut so als Anregung für euren Wettbewerb.

Hab einen guten Tag und pass auf dich auf.“

Führt uns dies zu der Frage: Sind wir aufgrund unserer Gedankenlosigkeit böse?

Für den Begriff der „Banalität des Bösen in unserem täglichen Leben“ gibt es keinen wichtigeren Zeitpunkt als den jetzigen.  Während wir alle darum kämpfen und uns bemühen, “sicher” zu sein und rational zu handeln, stellt sich trotzdem die Frage, ob unser Verhalten immer noch durch Gedankenlosigkeit geprägt ist.

Glauben wir immer noch, dass es uns nicht betrifft, dass es “den anderen” passiert und nicht uns?

Handeln wir wir immer noch gedankenlos ?  Helfen  Gesichtsmasken, soziale Distanzierung oder die Vorschriften zu Hause zu bleiben die Ausbreitung des Virus zu verringern oder zu stoppen?

© Links: Muhammad Amdad Hossain (Bangladesh) || Mitte: Jelena Lazić (Kroatien) || Rechts: Dmitry Krivolutskikh (Russland)

Der Wettbewerb

Wir, eine Gruppe internationaler Bürger, haben im November 2019, als die Welt noch in „guter Verfassung“ war, einen internationalen Künstleraufruf gestartet.   Der Aufruf mit dem Titel “The Banality of Evil in our Daily Lives” (Die Banalität des Bösen in unserem täglichen Leben) forderte Künstler weltweit dazu auf, ihrer Wahrnehmung der „Banalität des Bösen“ in ihrem täglichen Leben Ausdruck zu verleihen, ein Begriff, der von den Schriften der berühmten Philosophin Hannah Arendt inspiriert wurde.

Wir waren überwältigt von der enormen Resonanz unseres internationalen Aufrufs, denn es wurden 575 Beiträge aus über 89 Ländern eingereicht: Kunstwerke in den Kategorien Bildende Kunst, Fotografie, Skulptur und Performance-Kunst. Es war interessant zu sehen, dass neben den USA, Deutschland und Südafrika auch Israel, Iran, Irak und Jemen, um nur einige zu nennen, Kunstwerke eingereicht haben.
Wir waren beeindruckt und begeistert von der unglaublichen Relevanz der Inhalte, die von Künstlern aus der ganzen Welt eingereicht wurden. Alle qualifizierten Kunstwerke wurden in unseren Social-Media- Kanälen veröffentlicht. (Facebook/Instagram, Links siehe unten)

© Shun Yu Ella Wong (Hong Kong) || Rechts: Rofaida Ahmed (Yemen)

Die erste Phase der öffentlichen Abstimmung erfolgte durch „Liken“, wobei einige Kunstwerke bis zu 4.000 Likes erhielten. Schließlich gingen die beliebtesten Werke in jeder Kategorie in die Abstimmungsrunde der Jury ein.

© Mansour Mohsen (Saudi Arabien)

Nachdem die diversifizierte internationale Jury zusammengestellt wurde, wählte sie die Gewinner aus den Finalisten jeder Kategorie.  Die Arbeiten der Finalisten werden innerhalb einer Ausstellung in der ersten Septemberwoche 2020 in Berlin, Deutschland, zu sehen sein. Die Gewinner, die bei der Preisverleihung der Öffentlichkeit bekannt gegeben werden, werden nach Berlin eingeladen und erhalten jeweils ein Preisgeld von 2.000 US-Dollar.

Jeden zweiten Tag wird in unseren sozialen Medienkanälen ein Finalist sowie ein Wildcard-Künstler bekannt gegeben.  Bitte besuchen Sie diese für aktuelle Informationen die im Anschluss aufgeführten Links (siehe unten).

Ein Beispiel einer Finalistin

  • Titel: „Child not bomber“
  • Künstlerinnenname: Elizabeth Omolara Adenugba
  • Land: Nigeria
  • Technik: Charcoal
  • Größe: 70 cm x 50 cm

Beschreibung:

„Als ich den Künstleraufruf für die „Banalität des Bösen in unserem täglichen Leben“ sah, verspürte ich einen starken Drang, den vorsätzlichen Akt der Ausbeutung von Kindern als „Zombie-Bomber“ aufgrund von Gehirnwäsche zu erforschen. Hannah Arendths Frage, als sie 1961 im Prozess gegen Adolph Eichmann für den New Yorker berichtete, lautete: „Kann man Böses tun, ohne böse zu sein? Ich erinnerte mich an einen Vorfall, der sich im Juni 2019 im Dorf Konduga im nordöstlichen Borno-Staat Nigeria ereignete. Zwei Mädchen und ein Junge führten den Bombenanschlag vor einer Videohalle durch. Kinder sind die zukünftigen Führungskräfte von morgen, sie haben das Recht auf Bildung. Ein Kind kann nicht böse sein, wenn es das Böse in der Welt nicht gesehen hat. Der Verstand eines Kindes ist unschuldig, spielerisch, aufgeschlossen und wird nicht von der inneren Stimme der Vernunft oder der Angst vor dem Versagen gezügelt.

Wie kann ein Mensch den kindlichen Verstand ausnutzen und diese liebenswerten Kinder einer solchen Banalität aussetzen?“

Die Inspiration durch die Philosophin Hannah Arendt

Das Thema dieser Ausstellung ist inspiriert durch die Arbeit der von der Philosophin und Politologin Hannah Arendt (>Wikipedia), die für den New Yorker in einem berühmten Buch mit dem Titel Eichmann in Jerusalem über die Nazi-Prozesse berichtete: Ein Bericht über die Banalität des Bösen.

Gedenken an Hanna Arendt (1906-1975)

Im Gedenken an 44 Jahre seit dem Tod einer der wichtigsten politischen Philosophinnen des zwanzigsten Jahrhunderts, überdenken wir ihre Lehren. Hannah war berühmt für ihre Analyse von Nazi-Deutschland und entdeckte mit Erstaunen, dass viele der schlimmsten Täter keine Gräueltaten mit der Absicht begangen hatten, Böses zu tun. Tatsächlich war das Gegenteil der Fall. Es scheint, dass das schlimmste Übel von Menschen begangen wurde, die ihre Taten moralisc nicht hinterfragt hatten. Sie handelten nicht in der Absicht des “Bösen”, sondern befolgten lediglich Anweisungen – und gehorchten tatsächlich dem Gesetz.
Dies verdeutlicht für uns die Gefahr der Selbstgefälligkeit, des Handelns ohne eigenständiges Nachdenken.
Die traurige Wahrheit ist, dass das meiste Übel von Menschen begangen wird, die nicht hinterfragen, ob sie Böses oder Gutes tun.

Der Künstler saysay.love – Sponsor und Initiator des Wettbewerbs

„Ohne Wahrnehmung der Gegenwart vergeht die Zeit, ohne gelebt zu werden. Wir kommen immer von irgendwoher, streben vorwärts, gehen immer irgendwohin. Rastlosigkeit. Wenn wir nicht innehalten, entsteht Leere; denn das Leben wird im Augenblick gelebt. Die fotografische Vision erlaubt eine Veränderung in der Wahrnehmung des eigenen Lebens – das Vergängliche, das zum Kommunizieren stillgelegt wurde. Mit Hilfe der Fotografie hat sich die Gegenwart endlich vor mir geöffnet“.

Saysay.love ist ein visueller Aktivist, der seine Zeit zwischen Kapstadt und Berlin verbringt. Er hat sich mit der Serie „Gift of Water“ einen Namen gemacht, die die Aufmerksamkeit auf die Wasserkrisen lenkte, denen sich das Westkap im Jahr 2018 gegenübersah. (Anm. d. Red.: Lies hierzu auch seinen Gastbeitrag im SommerKunstBlog vom 18. Juli 2018: 93 | SaySay.love: The Matrix of Water – Message in a Bottle.) 2019 stellte er neue Arbeiten vor, die Themen wie „Faked Perfection“, „Intimate Loneliness“ und „Sex with Things“ berühren.  All diese Themen machen auf den Verlust von Intimität als Folge des „digitalen Zeitalters“ aufmerksam.

SaySay.Love teilt seine einzigartige Art, die Welt durch seine Werke zu sehen. Geboren mit einer optischen Behinderung, die seine Fähigkeit, die Welt dreidimensional zu sehen, beeinträchtigt, hat SaySay.Love eine andere Perspektive, die in seiner suggestiven und provokativen Arbeit zum Ausdruck kommt.

Seine Fotografien sind mit Symbolismus überlagert und basieren auf seinen emotionalen Erfahrungen und Reflexionen über die sozialen Fragen. SaySay.Love engagiert sich leidenschaftlich für Bildung und die Rolle, die sie im sozialen Wandel spielt, und unterstützt mit den Erlösen seiner Arbeit eine Reihe von Wohltätigkeitsorganisationen.

Links:

Der internationale Kunstwettbewerb: www.boeart.org
Die Menschen dahinter: www.boeart.org/people#members
Die internationale Jury: www.boeart.org/jury#content
Instagram-Link: www.instagram.com/boeartofficial/
Facebook-Link: www.facebook.com/boeartorg

Für weitere Informationen besuchen Sie bitte: www.saysay.love

Für Rückfragen wenden Sie sich bitte an chantal@boeart.org / +27 83 2256926

(Die Pressemeldung zum Projekt entspricht im Wesentlichen dem obigen Text. Editiert von Seona Sommer. Die Fotos wurden mit freundlicher Genehmigung der Künstler*innen und +Art e.V.  veröffentlicht.))

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