140 | Aufruf an Museen: Zeigt her eure Künstler!

Ein Gastbeitrag von Achim Schmacks

Die Corona-Krise zwingt Kunstschaffende in die Knie

Die Corona-Krise hat ganz schön viele Kunstschaffende in die Knie gezwungen. Wegfall von Ausstellungen, Sponsoring, Honorar und Kunden lassen manch einem Künstler der freien Szene die Puste ausgehen.

Soforthilfeprogramme greifen nicht oder werden mit der Gießkanne verteilt, auch hier wird die Durststrecke lang.

In meiner Produzentengalerie BLACKOFFICE in Düsseldorf musste ich bisher drei Ausstellungen absagen und ins nächste Jahr verschieben. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, aber die Künstler, die für die erste Jahreshälfte 2021 geplant sind, werden weiter verschoben. Wir können schieben, aber nicht alles nachholen. Wegfall von Verkauf, Gesprächen und Kontakten können wir ebenso nicht nachholen, viele Dinge, die fehlen, sind nicht nachzuholen. Wir holen nichts nach, wir müssen anknüpfen, aufnehmen und weiterstricken.

Wer investiert in Kunst?

Die Wirtschaftskrise 2009 hatte sich damals schon negativ auf die Kunstszene ausgewirkt. Auch da saß das Geld nicht mehr locker, es wurde gespart und in andere Dinge investiert. Wer investiert in Kunst?

In Kunst investieren Menschen, die damit Geld vermehren wollen. Man kauft Kunst, die eine Wertsteigerung verspricht, weil wir in Zeiten von ständiger Steigerung leben, und daraus scheint es kein Zurück zu geben.

Nun gibt es ein Zurück! Die Corona-Krise hat nicht nur Deutschland fest im Griff, der ganze Planet wurde überzogen von einer Pandemie, die Konsequenzen für freie Künstler sind jedoch nur bedingt bekannt.

Wie kann man helfen? Ein Aufruf an Museen der Städte und Landkreise

Freie Künstler sind die Pflegekräfte der Kulturszene, sie drehen das Rad Tag für Tag – sowohl vor und in als auch nach der Krise. Freie Künstler sind nicht wegzudenken in einer freien, modernen Gesellschaft.

Ich fordere die Museen der Städte und Landkreise auf, ihre Künstler auszustellen. Zeigt her eure Künstler, öffnet eure Räume und schafft Platz.

Bietet den Künstlern eine Plattform, öffnet Museen und städtische Galerien für die eigenen Kunstschaffenden, spannt einen virtuellen Schirm auf, einen Rettungsschirm für Künstler, bedingungslos, aber auch alternativ zu den zur Zeit diskutierten marginalen und einmaligen Bargeldunterstützungen, die völlig ziellos und zweckentfremdet ausgeschüttet werden.

Lasst eure Kulturschaffenden nicht im Regen stehen!

Wie soll das möglich sein? Ganz einfach, über die Kulturämter und Berufsverbände werden Listen angefordert von den Künstlern, die freischaffend arbeiten, Mitglied sind oder Künstlerausweise besitzen. Diese Künstler werden eingeladen, ihre Arbeiten öffentlich in Räumen zu präsentieren, die in der Regel für den größten Teil der Künstler nicht zugänglich sind. Museen und städtische Galerien zeigen in einem festgelegten Zeitraum deutschlandweit Künstler der Stadt, der Kreise oder der Regionen. Finanziert wird dieses erstmalige Ereignis durch Städte, Bund, Land und Sponsoren. Alle Ausstellungen sind frei zugänglich und mit freiem Eintritt.

Künstler sind ein wichtiger Teil der Gesellschaft

Künstler leben und arbeiten nicht für einmalige Zahlungen, Künstler sind keine Bittsteller in den Ämtern, Künstler sind ein wichtiger Teil der Gesellschaft, einer offenen Gesellschaft, die ohne Kultur und Kunst den größten Teil an Bildung, Verständnis, Ethik und Lebensfreude verliert.

Künstler arbeiten, um ihre Werke zu zeigen, brauchen eine Plattform, um neue Ideen zu generieren. Künstler arbeiten in der Gesellschaft und für die Gesellschaft.

Künstler verdienen mehr Anerkennung

Wenn den Künstlern geholfen werden soll, dann wäre mein Vorschlag ein erster Schritt.  Der erste Schritt kann so einfach und wirksam sein. Dieser Schritt wäre Anerkennung eines Berufs und einer Berufung. Künstler, freie Kunstschaffende, leben in einem ständig währenden Vorurteil von Bohème und Arbeitsscheue. Heutige Künstler sind weit davon entfernt. Marketingtools, soziale Medien und eine Gesellschaft, die immer mehr verlangt und immer weniger zu begeistern ist, fordern eine völlige Umorientierung der Kunstschaffenden. Der Künstler heute beschäftigt sich mehr und mehr mit Selbstvermarktung, Zeit für eigene Kunst und Ideen bleiben oft auf der Strecke. Ausstellungsorte sind hart umkämpft, eigene Projekte und Arbeitsräume werden zu teuer.

Künstler leben in einem Hamsterrad

Die wenigsten Protagonisten in der freien Kunstszene erhalten Einladungen zu Ausstellungen und Teilnahmen an Präsentationen, meist müssen sie sich durch lange Bewerbungsphasen quälen und nicht selten dafür bezahlen. Ausstellungsräume werden vermietet, Kunstagenten und Makler bieten sich zu Höchstpreisen an.  Zeiten, in denen Künstler ihre Werke in die Museen bringen, Ankäufe getätigt werden und der Künstler gut und gerne von Mäzenen lebt, sind lange vorbei und selten zu finden. Der Künstler kämpft um Anerkennung, Aufmerksamkeit und Ausstellungsmöglichkeiten, er kämpft um Atelierplätze, einen Platz in der Gesellschaft und auch um einen Platz im Museum. Der letztere ist nur wenigen vergönnt, denn die Museen sperren sich, stellen hochdotierte Künstler und Werke aus und möchten mit spektakulären, medienwirksamen Shows die Besucher in die heiligen Hallen locken, um Sponsoren wie Banken und Luxusmarken die Teppiche auszurollen.

Ein Rettungsschirm für die Kunst!

Auf dem Teppich bleiben, das sollte Kunst in unserer Zeit, eine Zeit voll mit Existenzangst, Unsicherheit und fehlender Zukunftsvisionen. Nehmt den Künstlern die Angst, rollt ihnen den roten Teppich aus, für eine Gesellschaft, die für ihre Kultur und Künstler weltweit geschätzt und beneidet wird. Spannt den Schirm auf, den Rettungsschirm für Kunst, macht Platz in euren Häusern, bietet Raum für Kunst, Raum für Künstler und Raum für eine Gesellschaft, die sich wieder für ihre Künstler interessiert.

(Titelfoto: Achim Schmacks)

Foto mit freundlicher Genehmigung: Ina Caspari ©

Achim Schmacks  möchte sein, seine Arbeiten sind ein Ausdruck vom Sein. Der Künstler bildet ab, keine Motive oder vorgegebene Formen, er schafft Abbildungen einer Gesellschaft und bringt Themen, die ihm wichtig sind, zum Ausdruck. Es ist Beobachtung, Kritik oder auch Anlehnung. Schwarz ist dabei der wichtigste Bestandteil der Arbeiten. 

Achim Schmacks geb. 1970 in Nettetal am Niederrhein ist Autodidakt, Künstler der Stadt Düsseldorf und Betreiber der Produzentengalerie BLACKOFFICE in Düsseldorf. 

KONTAKT:

BLACKOFFICE, Neusser Str.39, 40219 Düsseldorf, +4917641331070

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