119 | Die Farbe Schwarz

Mit der Farbe Schwarz ist das so eine Sache. Denn in der realistischen Malerei & Zeichnung ist es wichtig, dass starke Kontraste zwischen Hell & Dunkel entstehen bzw. dass die ganze Bandbreite der Tonwertskala im Bild vorkommt. Trotzdem ist es nicht immer ratsam, hier auch direkt mit der Farbe Schwarz zu arbeiten.

Schwarz in der Ölmalerei

In der Ölmalerei verwende ich die Tube, aus der das Schwarz kommt, so gut wie gar nicht oder nur sehr, sehr sparsam. Warum? Weil ich beim Malen zwar in Schichten arbeite, aber in jeder Schicht auch nass-in-nass arbeite. Sprich, ich mische sehr viel im laufenden Prozess. Die Farbe Schwarz hat dabei leider die Eigenschaft, die anderen Farben auf der Palette und auf der Leinwand extrem leicht zu verschmutzen.

Welche Alternativen gibt es?

Diese vier Farben sind mein Schwarz:

© Seona Sommer | Chromdioxidgrün, Alizarin-Krapplack, Ultramarinblau, Gebranntes Umbra

Eigentlich sind es sogar nur die ersten drei, denn Gebranntes Umbra ist nicht mal unbedingt notwendig. Du erreichst aber ein wenig schneller einen sehr dunklen Tonwert, wenn du es dazu mischt. Es eignet sich auch gut für die besonders dunklen Stellen in den Haaren. Im richtigen Mischungsverhältnis – welches du durch Ausprobieren sehr leicht herausfinden kannst – kannst du mit diesen Farben schnell einen sehr dunklen Tonwert erhalten. Wenn du in weiteren Schichten immer noch mal wieder mit der (nicht unbedingt exakt) gleichen Mischung darübergehst, erreicht der Tonwert schließlich eine schöne dunkle Tiefe.

Wenn du für den passenden Haarton vielleicht doch ein Elfenbeinschwarz in deiner Mischung verwenden möchtest, empfehle ich dir, die dunklen Bereiche zuerst anzulegen und dann gut durchtrocknen zu lassen, bevor du mit weiteren Haarfarben – ohne schwarz darin – hellere Bereiche darüberlegst.

Schwarz in der Pastellmalerei

Auch für Pastellfarben gilt, dass Schwarz die anderen Farben leicht verschmutzt. Hier besteht allerdings der Vorteil, dass Pastellbilder in der Regel von hell nach dunkel aufgebaut werden. Das heißt, du brauchst erst ganz am Schluss mit der schwarzen Kreide arbeiten und es besteht wenig bis gar keine Gefahr mehr, dass du ungewollte Effekte erzielst.

Schwarz in der Bleistift- oder Graphitzeichnung

Bleistifte sind per se grau. Auch der dunkelste und höchste Weichheitsgrad ist immer noch ein Anthrazit. Viele professionelle Bleistiftzeichner belassen es einfach dabei. Wenn die Tonwertskala am Ende ausreichend ausgeschöpft ist, kann das Bild aus der Ferne betrachtet immer noch einen sehr realistischen Eindruck machen. (Wenn du Fotos von Bleistiftzeichnungen im Internet siehst, wirst du allerdings oft getäuscht, denn man kann natürlich mit jedem Bildbearbeitungsprogramm das Schwarz noch dunkler einstellen bzw. die Kontraste verstärken.) Wenn dir ein dunkles Anthrazit nicht reicht, gibt es aber auch noch andere Möglichkeiten.

Welche Alternativen gibt es?

Ich habe im Laufe der Zeit ALLE angeblich oder wirklich dunkelsten Stifte, die mir im Internet erhältlich waren und angepriesen wurden, angeschafft und sie der Reihe nach ausprobiert. Dazu gehören Bleistifte und Graphitstifte verschiedener Marken sowie Carbonstifte und schwarze Buntstifte. Zunächst kann ich dich aufgund meiner Erfahrung jedenfalls davor warnen, allem zu glauben, was in der Produktbeschreibung steht. Der Stift General’s Layout Extra Black 555 oder auch der Faber Castell Pitt Graphite Pure 2900 mit dem Härtegrad 9B (!) sind beide noch heller als zum Beispiel der Bleistift Faber Castell 9000 8B.

Zweitens musst du auf die verschiedenartigen Zusammensetzungen schwarzer Stifte achten. Genauso wie du nicht einfach mit einem Kohlestift über eine Bleistiftzeichnung gehen kannst (weil die Kohle nicht auf dem Bleistift haftet), haben verschiedene Zusammensetzungen auch teilweise einen anderen Glanzeffekt. Bleistift glänzt sehr, wenn das Licht etwas schräg darauf fällt. Bei anderen Stiften ist das nicht immer der Fall. So kann es am Ende sein, dass bei schrägem Lichteinfall die Zeichnung an einer Stelle komisch matt wirkt. Aber wenn du eine gute Galeriehängung mit entsprechend guter Beleuchtung hast, dann ist das Problem – so du es denn als eines empfindest – nicht mehr so groß. Du musst in dieser Hinsicht also auch etwas nach deinem Geschmack entscheiden. Ich persönlich mag den Buntstift 8805 von Bruynzeel oder General’s Carbon Sketch 595.

Eine ganz andere Möglichkeit ist es, mit einem Kohlestift ganz dunkle Stellen zu allererst einzuzeichnen, denn Bleistift auf Kohle, das geht! Ich persönlich habe dieses jedoch nie bis zum Ende durchgehalten. Ich habe zwar die ein oder andere Zeichnung so begonnen, aber als ich die ersten Sessions hinter mir hatte und das fertige Bild schon vor meinem geistigen Auge sah, hatte ich immer Angst, dass ich die ganzen Arbeitsstunden umsonst investiere, wenn es mir am Ende vielleicht doch nicht gefällt – und dann habe ich eine neue Zeichnung ohne Kohlestfit noch einmal ganz von vorn begonnen…

Kennst du noch andere Tricks?

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