# 113 | Interview mit der Kölner Künstlerin Sabine Losacker auf der Discovery Art Fair Cologne

Hallo, Sabine! Erzähle uns bitte zunächst ein bisschen über deine Kunst, die du hier auf der Discovery Art Fair Cologne ausstellst.

Das Hauptaugenmerk lege ich in meinen Arbeiten derzeit auf eine spezielle von mir entwickelte Mischtechnik aus Fotografie & Malerei. Man könnte sagen, ich male meine Bilder mit der Kamera und dem Pinsel. Beides kombiniere ich auf dem Malgrund miteinander, mal mehr mit dem Fokus auf der Fotografie, mal mehr auf die Malerei ausgerichtet. Die Technik, die ich benutze, habe ich mir über Jahre erarbeitet. Im Laufe der Zeit sind viele Komponenten in meine Arbeit eingeflossen. Ich lasse mir im Bild immer viel Platz zum experimentieren.

© Sabine Losacker

Im Mittelpunkt meiner Bilder steht immer der Mensch als Individuum. Durch die Verwendung der beiden Medien, Malerei kombiniert mit Fotografie, entstehen automatisch verschiedenen Realitäts- oder Wahrnehmungsebenen. Dabei untersuche ich den Spannungsbereich, der bei der Überlappung dieser Ebenen/Realitäten entsteht. Dadurch werden wiederum emotionale Stimmungen beim Betrachter erzeugt, und genau das ist es, was mich interessiert. Welche Stimmungen können entstehen? Kann ich diese heraufbeschwören… ? Am Ende ist das, was man sieht, der Abschluss einer Reihe von Experimenten.

Ich versuche kleine Geschichten & Situationen/Zusammenhänge darzustellen, die wie Zeitdehnungen oder Momentaufnahmen wirken, oftmals auch mit fiktivem Charakter oder magischen Komponenten.
Dabei lege ich besonderen Wert auf eine Art viellagige Realität.

Bist du zum ersten Mal bei der Discovery Art Fair Cologne dabei?

Dies ist meine zweite Teilnahme an der Discovery Art Fair Cologne. Mein erstes Mal war 2017, damals hieß die Messe noch Kölner Liste (Anm. d. Red.: Weitere Hintergründe zur Discovery Art kannst du im Blog-Beitrag von letzter Woche nachlesen: # 112 | Presserundgang auf der Discovery Art Fair)

Warum hast du dich erneut zur Teilnahme entschieden?

Ich habe mich zu einer erneuten Teilnahme an dieser Messe entschieden, weil meine erste sehr erfolgreich verlaufen ist. Abgesehen von den allgemein tollen Gesprächen, die sich entwickelten und die mein Netzwerk sehr bereichert haben, bekam ich auch sehr viel positives Feedback, habe mehrere meiner Werke verkauft und hatte zudem die Ehre, dass eines meiner Bilder für die vor zwei Jahren von dem Messeveranstalter ins Leben gerufene „Edition“ ausgewählt wurde: Von den ca. 100 Teilnehmern der Messe wurden 10 Künstler ausgewählt, deren eingereichtes Werk auf eine Dibond-Platte gedruckt (Edition 10+1) und dem jeweiligen Künstler zum Verkauf am Stand überlassen wurden. Für mich war es auf der ganzen Linie erfolgreich und hat sehr großen Spaß gemacht.

Eine weitere Rolle spielt es, dass es nicht so viele Messen gibt, an denen Einzelkünstler vertreten sein können. Bei vielen anderen Messen werden lediglich Künstler durch Galeristen vertreten.

Welchen Reiz hat vor allem eine für dich in heimischen Gefilden stattfindende Messe?

Köln steht, was die kulturellen Aktivitäten betrifft, mit an erster Stelle unter den deutschen Städten und hat sich in den letzten Jahren zur Kulturmetropole gemausert. Der gute Ruf der Discovery Art Fair spielt natürlich auch eine Rolle. Da ich Kölnerin bin und vor einigen Jahren mit fünf Künstlern zusammen eine Produzenten-Galerie gegründet habe (Anm. d. Red.: Galerie Kunstmeile Buchforst), betrachte ich mich als einen Teil der Kölner Kunstszene. Durch zahlreiche Austellungen in Köln, sowohl Einzel- als auch Gruppen-Ausstellungen, habe ich bereits ein eigenes Netzwerk aufgebaut und kann meinen Wiedererkennungswert bei einem erneuten Auftreten bei der Messe noch einmal stärken.

Nimmst du auch an anderen Messen irgendwo in der BRD oder im deutschsprachigen Ausland teil?

An anderen Messen habe ich bisher nicht teilgenommen, da ich aus gesundheitlichen Gründen in den letzten beiden Jahren nicht dazu in der Lage war. Ich plane dies aber für die Zukunft.

Eine solche Teilnahme ist für eine einzelne Künstlerin wie dich mit entsprechenden Kosten und Aufwand verbunden. Was genau versprichst du dir von dieser Messe? Lohnt sich die finanzielle Investition?

Ja, die Kosten und der Aufwand sind relativ hoch, aber die Investition lohnt sich auf jeden Fall. Es macht großen Spaß, Teil dieser Messe-Dynamik zu sein. Ich verspreche mir durch die Teilnahme an dieser Messe eine Erweiterung meines bisherigen Netzwerkes, neue Kontakte, gute Gespräche mit anderen Künstlern und Besuchern. Bestenfalls die Möglichkeit, einen Galeristen zu finden, was ja für jeden Künstler sehr wichtig ist. Außerdem ist der Zeitpunkt dieser Messe sehr günstig, da parallel auf dem Messegelände in Deutz die Art Cologne zeitgleich stattfindet und viele Kunstinteressierte in der Stadt sind. Zwischen den beiden Messen werden sogar Shuttle-Busse eingesetzt, die dann noch mehr Publikum bringen.

Bist du mit dem Preis-Leistungsverhältnis der Anbieter zufrieden?

Ich finde das Preis-Leistungsverhältnis ok. Die Veranstalter sind sehr nett und vor allem sehr hilfsbereit. Im Preis sind drei Module enthalten: die Koje, die Online-Werbung und der Katalog-Eintrag. Ich bin somit auch Teil des Netzwerkes der Discovery Art Fair..

Welche Vorbereitungen hast du getroffen? Zum Beispiel das Erstellen eines aktuellen Kataloges oder der Druck einer Sonderedition?…?

Vor der ersten Teilnahme habe ich einen Katalog mit Fotos meiner Kunstwerke, Beschreibung meiner Kunst und dem Vorwort einer Kunsthistorikerin anfertigen lassen. Außerdem habe ich Postkarten mit meinen Lieblingswerken drucken lassen, auf denen meine aktuellen Kontaktdaten stehen, damit die Besucher zu Hause noch mal auf meine Webseite schauen können.

Hast du eine genau für diese Messe bestimmte Zielgruppe im Sinn?

Nein, ich male nur das, was mir gefällt. Im Laufe meiner Ausstellungstätigkeit habe ich viele Werke an die unterschiedlichsten Menschen verkauft. Ich habe also keine „Zielgruppe“ im Auge.

Welchen anderen Einzelkünstler*innen würdest du die Teilnahme an der Discovery Art Fair empfehlen bzw. nicht empfehlen? => Im Hinblick auf ihre Erfahrung, Professionalität oder sogar ihr Talent?

Ich würde die Teilnahme an einer solchen Messe nur Künstlern empfehlen, die bereits Erfahrung im Bereich Ausstellungstätigkeit gesammelt haben. Man sollte bereits ein kleines Netzwerk aufgebaut und sich mit der eigenen Kunst professionell beschäftigt haben. Wer das nicht hat, könnte sich in diesem Rahmen überfordert fühlen. Wichtig ist es auch, sich im Vorfeld mit anderen bereits erfahrenen Künstlern auszutauschen, um für sich selbst zu klären, was man von einer Messe-Teilnahme erwartet, oder auch, um eine realistische Preiseinschätzung der eigenen Werke zu bekommen. Man sollte sich also insgesamt gezielt vorbereiten.

Was möchtest du sonst noch sagen?

Das Ziel bei der Teilnahme an einer Messe sollte nicht sein, so viel wie möglich zu verkaufen, sondern vielmehr der Aufbau neuer Kontakte. Es ist eine tolle Möglichkeit, seine Werke zu präsentieren, mit anderen internationalen Künstlern ins Gespräch zu kommen und auch deren Ideen & Erfahrungen im Hinblick auf Ausstellungen kennen zu lernen. Vieles Weitere wird sich einfach ergeben. Man sollte offen & aufmerksam sein für neue Erfahrungen.

Vielen Dank für das Gespräch, Sabine!

Das Interview fand am 1..04.2019 statt. Wenn du mehr über Sabine erfahren möchtest, kannst du  >HIER auf ihrer Webseite stöbern.

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3 Kommentare

  1. Liebe Seona,
    herzlichen Dank für den informativen Beitrag mit der Künstlerin Sabine Losacker.
    Die Discovery Art Fair ist eine Geldmaschine für den Veranstalter, meiner Meinung nach.
    Vor einigen Tagen habe ich einen Beitrag im Deutschlandfunk über die prekäre Situation
    der Künstler in Deutschland gehört, dem zufolge sind 95 Prozent der Maler, Grafiker und Bildhauer
    nicht in der Lage sich von ihrer Kunst zu ernähren (statistischen Durchschnittseinkommen zwischen 3000 und 10000 Euro per anno). Da sind Teilnahmen an solchen Veranstaltungen unerschwinglich (5000 Euro für ein Koje von 20 qm). Der Markt mit Kunst ist ein Geldmarkt, was ein traurig Sache ist. In dem Beitrag im DLF kam auch der weltbekannte Künstler Gernot Bubinek zu Wort, der heute von Aufstockung lebt, dessen Bilder aber im MOMA hängen (wer hat da Reibach gemacht?), das sind Realitäten. Sendung DLF: 21.04.2019, Die Kunst von der Kunst zu leben. Anhören. Grüße …

    1. Lieber Volker, danke für deinen ausführlichen Kommentar! In die Sendung werde ich mal reinhören. Ich denke aber auch schon jetzt kann ich sagen, dass du sicherlich Recht hast. Und obwohl ich das genauso sehe, denke ich trotzdem sogar selbst über eine solche Bewerbung bei dieser oder einer anderen Messe nach. Denn Fakt ist auf der anderen Seite auch: Wir brauchen eine Öffentlichkeit, wir brauchen eine Vita, wir brauchen ein Netzwerk. Ich finde es grundsätzlich auch nicht verwerflich, wenn andere Leute damit Geld verdienen, mir dabei quasi zu helfen. Ob und wie viel Geld ich investiere, bleibt ja mir selbst überlassen. Andere Unternehmen, auch Start-ups, investieren auch in Werbemaßnahmen oder auch Messeauftritte. Natürlich ist es trotzdem sehr traurig, dass soooo viele Künstler*innen am Hungertuch nagen und sich teilweise so etwas auch gar nicht erst leisten können. Aber wo ist die Lösung? Ich habe sie noch nicht gefunden. Bzw. denke ich, es gibt so viele Wege, wie es Künstler*innen gibt. Jede*r muss ihren*seinen Weg finden, vielleicht auch mit professioneller Unterstützung. Ich denke außerdem, dass Künstler*innen eben auch z.B. in Marketing und Finanzplanung etc. geschult werden müssen. Hach, ich könnte noch viel schreiben… Ich denke, ich lass das jetzt mal und schreibe demnächst einen ganzen Blog-Artikel zum Thema. 😉

  2. Ich freue mich sehr darüber, dass Sabine nach jahrelanger Erprobung ihrer Kunst, das Durchhaltevermögen besitzt, Ihre schönen Bilder einem großen Publikum vorzustellen! Außerdem wünsche ich ihr, dass ihre gesundheitlichen Probleme bald Überwunden sind .

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