109 | Kunst am Arbeitsplatz

Welche Kunst an welchem Arbeitsplatz?

Kunst muss nicht nur in Museen, Galerien und Wohnzimmern hängen, sondern kann auch am Arbeitsplatz eine Rolle spielen. DEN Arbeitsplatz gibt es aber nicht. Wenn wir bei der >>Zielgruppenermittlung (vgl. Blogbeitrag vom 27. März 2019) herausfinden möchten, wie Kunst und Berufsalltag zusammenhängen, muss man differenzieren. Sicherlich sollte zum Beispiel im Behandlungsraum von Ärzt*innen keine Aktfotografie hängen. Oder in einem Büroflur, auf dem es hektisch zugeht, macht es keinen Sinn, hochempfindliche Papierarbeiten auszustellen. Es lohnt sich also ein genauerer Blick auf die jeweilige Arbeitsumgebung.

Wie wähle ich den passenden Arbeitsplatz für eine Ausstellung aus?

Folgende Kriterien können dabei eine Rolle spielen: Wird die Kunst vor allem von Mitarbeiter*innen gesehen oder auch von den Kund*innen des Betriebes? Soll die Kunst eher den Alltag der Angestellten bereichern oder schafft das Unternehmen durch die ausgestellte Kunst eine höhere Attraktivität für Bestands- & Neukund*innen? Im ersten Fall spielt es dann für dich eine Rolle, wie groß das Unternehmen ist, im zweiten Fall die Zusammensetzung der Zielgruppe des Unternehmens.

Diese einfachen Vorüberlegungen tragen bereits zu deiner Entscheidung bei, ob du eine Ausstellung deiner Bilder oder Skulpturen einem Unternehmen anbietest oder nicht. (Ja, genau, du hast richtig gelesen: DU bietest es dem Unternehmen an und nicht umgekehrt!) Ich rate jedenfalls ganz entschieden davon ab, dich überall dort, wo du Kunst am Arbeitsplatz siehst oder du davon mitbekommst, zu bewerben. In unzähligen Arztpaxen und Cafés hängen Bilder von Künstler*innen, die sich wünschen, wahrgenommen zu werden – aber leider ist oft genau das Gegenteil der Fall. Die meisten Patient*innen zum Beispiel haben beim Besuch einer Arztpraxis in erster Linie ihre Krankheit im Sinn und sie nehmen die Kunst an der Wand oft nicht mehr oder weniger wahr als die Auswahl der Zeitschriften im Wartezimmer. (Weitere hilfreiche Empfehlungen darüber, wie du geeignete Ausstellungsorte findest, kannst du in meiner siebenteiligen Serie über Ausstellungsmöglichkeiten. >>HIER geht’s zu Teil 1.)

Studie über Kunst in deutschen Büros

Interessante Informationen über das Thema Kunst und Arbeitsplatz liefert eine kürzlich veröffentlichte Studie, die im Auftrag von OnePoll im Auftrag des Büroausstattungsunternehmen Viking durchgeführt wurde. Hier ging es darum herauszufinden, wie sehr Kunstobjekte am Arbeitsplatz bereits vertreten sind und was Menschen sich von Kunst am Arbeitsplatz vielleicht erhoffen. Auch wurde ein kleiner Bereich aus quasi allgemeinem Kunstwissem abgefragt, um zu sehen, inwiefern sich diese Menschen überhaupt bereits mit Kunst beschäftigt haben. Grundsätzlich fand die Befragung branchenübergreifend statt, wobei sich ein großer Teil jeweils dem Bildungswesen oder dem Handel zuordnete.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die meisten Befragten am Arbeitsplatz keinerlei Kunst vorfinden, dass aber durchaus der größte Teil das Vorhandensein von Kunst dort positiv bewerten würde. Dies könnte nach Meinung der Befragten die Kreativität & Produktivität steigern und eine beruhigende Wirkung haben. Insgesamt 72,9 % wünschen sich explizit Kunst am Arbeitsplatz. „Schockiert“ zeigten sich die Interviewer*innen angesichts des Ergebnisses, dass ein Großteil der Befragten (insbesondere der jüngeren Generationen) trotz großem Interesse an Kunst eine Reihe von berühmten Gemälden nicht dem jeweiligen Schöpfer (leider keine Schöpferin dabei) zuordnen konnte. (So an mich kommuniziert in einer Email vom 24.01.19.) Vielleicht erklärt sich so auch die Tatsache, dass die Mehrheit der Befragten am liebsten Fotokunst oder Landschaftsgemälde sehen würde, da man dabei als „Nicht-Kunst-Kenner“ womöglich am ehesten eine emotionale Verknüpfung spürt. (Diese und weitere Informationen zu der Studie findest du >>hier im Viking-Blog.)

Wie kannst du diese Erkenntnisse für dich nutzen?

Auch dort, wo man keine Kunstexpert*innen vermutet, entfaltet Kunst ihre angenehme Wirkung auf die Menschen. Es gibt also immer wieder neue Bereiche, die du dir erschließen kannst, wenn du dein Marketing entsprechend (d)einer, vielleicht neuen, Zielgruppe ausrichtest. Hoffe dabei nicht auf die Laufkundschaft „irgendeines“ Cafés, sondern stelle lieber an den Wänden eines größeren Unternehmens aus, wo deine Kunstwerke tagtäglich von denselben Angestellten sowie Vorgesetzten gesehen werden und vielleicht im Laufe von ein paar Wochen das ein oder andere Herz erwärmen. Natürlich kann auch ein Café ein toller Ausstellungsort sein – wenn man dort nicht an Zeit & Kosten spart, eine ordentliche Werbung für dich zu machen und für dich eine Vernissage mit viel Stammkundschaft zu organisieren.

(Title Image by StockSnap from Pixabay & Van Gogh Download from www.metmuseum.org)

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