# 105: Du steckst in einem Ideenstau?

Kennst du das Gefühl, wenn du viele gute Ideen gleichzeitig hast, und du nicht weißt, womit du beginnen magst? Oder kennst du das Gefühl, wenn du zwar viele Ideen hast, aber nicht weißt, ob diese auch wirklich gut sind? Oder kennst du das Gefühl, wenn du zwar weißt, dass du eigentlich gut bist, aber dir keine neuen Ideen einfallen? Am Ende sitzt du da, bist unzufrieden & uneinig mit dir selbst. Es passiert gar nichts und du stellst plötzlich fest, dass du wohl gerade eine künstlerische Blockade erlebst.

Blockade klingt sehr hart. Manche sprechen lieber von einer kreativen Pause, denn dieser Euphemismus hört sich nicht ganz so schlimm an. Das Ergebnis ist jedoch das Gleiche. Ich nenne diese Situation Ideenstau. Damit erkenne ich an, dass die gegenwärtige Situation gefühlt nicht so ist, wie ich sie gerne hätte, UND ich erinnere mich selbst daran, dass ich sehr wohl immer eine Menge Ideen habe. „Ideenstau“ bedeutet für mich auch, dass ich nicht einfach untätig abwarten muss, bis es vorbei ist, sondern etwas tun kann.

Künstlerisch tätig zu sein bedeutet oft, dass man*frau sich „im Fluss“ befindet, dass man*frau die eigene Arbeit mit einem hohen Maß an Leidenschaft ausübt und sich mit ihr weitaus mehr identifiziert als viele Angehörige anderer Berufe. Künstler*innen verschmelzen oft mit dem, was sie tun. Im günstigen Fall fühlt sich das wunderbar an. Es kann aber auch passieren, dass dieser Fluss plötzlich nicht mehr so fließt und dass man*frau sich irgendwie blockiert fühlt. Ein solcher Ideenstau wirkt sich bei (oft hochsensiblen) Künstler*innen schnell auf das eigene Wohlbefinden aus und verursacht emotionalen Stress.

Viele gute Ideen – aber womit beginnen?

Deine Gedanken drehen sich im Kreis. Anstatt etwas zu tun, sitzt du da und nichts passiert. Am Ende bist du total unzufrieden, weil du deine wertvolle Zeit einfach nur verschwendet hast. Das viele Nachdenken, Abwägen, vielleicht sogar das Erstellen von Prioritätslisten hat zu nichts geführt. Du fühlst dich leer und unfähig, etwas zu tun. Du stehst dir selbst im Weg.

Ganz wichtig in dieser Situation: Egal, wie du dich jetzt fühlst, du kannst das Gefühl einfach sein lassen UND trotzdem etwas tun! Du bist nicht das Gefühl, du hast es nur. Gefühle haben es an sich, dass sie kommen & anschwellen und dann gehen & wieder abflauen. Probiere es doch in einer unverfänglichen Situation einmal aus: Vielleicht ärgerst du dich gerade über den Inhalt einer Email, die du bekommen hast. Du kannst dich nun entscheiden, die Email wieder und wieder zu lesen und dich immer weiter in den Ärger hineinzusteigen. Oder: Spüre den Ärger, lass ihn sein und dann kümmerst du dich darum, dein Atelier aufzuräumen – oder auch die Küche. Wenn du damit fertig bist, schau genau hin, ob das Gefühl noch immer in der gleichen Stärke vorhanden ist. Wahrscheinlich nicht und außerdem hast du die Aufräumarbeit schon mal erledigt.

Viele gute Ideen – aber sind die auch wirklich gut genug?

Der Zweifel, ja, der Selbstzweifel hat wieder mal zugeschlagen und nagt an dir. Gestern Abend nach geschaffter Arbeit noch fandest du dein neues Kunstwerk wirklich klasse, heute sieht es bei Tageslicht schon ganz anders aus. Gestern noch hast du dich um einen Ausstellungsplatz beworben. Heute meinst du, dass du das besser noch ein Jahr verschoben hättest, weil du dich für doch noch nicht gut genug hältst.

Ganz wichtig in dieser Situation: Glaub nicht alles, was du denkst! Gedanken sind in erster Linie Gedanken – sie sind keine Realität. Gedanken sind ständig im Fluss, sie kommen und gehen. Beobachte dich einmal selbst für einen Tag oder auch nur eine Stunde. Welche Gedanken kommen dir ganz automatisch, ohne dass du dir vorgenommen hast, diese zu denken? Unser Gehirn schickt uns ständig neue Gedanken, und da diese keine Realität sind, können sie auch heute so und morgen so sein. Eine wichtige Erkenntnis! Anstatt deinen Gedanken alles zu glauben, solltest du dich immer fragen, ob ein bestimmter Gedanke nützlich für dich und dein Fortkommen ist. Wenn nein, lass ihn dort, wo er ist und warte einfach ab, bis er wieder verschwindet. Wenn ja, dann dann bedanke dich bei deinem Gehirn, dass es diesen hilfreichen Gedanken vorbeigeschickt hat, und folge ihm!

Deine Karriere hat endlich Fahrt aufgenommen – ausgerechnet jetzt fehlen die neuen Ideen

Auch in diesem Fall bezweifle ich, dass dir deine Gedanken die Wahrheit erzählen. Die meisten Künstler*innen haben ständig neue Ideen, die sich nur zeitweise einfach gut verstecken.

Ganz wichtig in dieser Situation: Nimm den gedanklichen Fokus weg von dem, was gerade jetzt nicht da ist. Du hast oben schon festgestellt, dass Gedanken & Gefühle kommen und gehen und so wahrscheinlich auch dieses Gefühl von Leere. Vertraue darauf, dass deine Ideen wiederkommen werden. Hey, du bist Künstler*in! Du kommst immer wieder auf neue Ideen und das oft auch ganz spontan & unvorhergesehen. Gehe auch hier einfach erst mal zu einer anderen Tätigkeit über. Lass deinen Gedanken dabei freien Lauf und beobachte sie dabei. Wenn eine gute Idee dabei ist, halt sie fest! Schreib sie auf! Setze sie um!

Darum geht’s

Das emotionale Verschmelzen mit der eigenen Kunst ist eine wunderbare Gabe, die uns Künstler*innen geschenkt wurde. Das Verschmelzen mit unangenehmen Gedanken oder Gefühlen hingegen kann manchmal ganz schön nervig sein. Du kannst lernen, beides bewusst voneinander zu unterscheiden. Und du kannst lernen, dich von unangenehmen Gedanken oder Gefühlen zu distanzieren. Akzeptiere, dass sie da sind, aber identifiziere dich nicht mit ihnen. Und dann male einfach trotzdem was! Oder räum zunächst dein Atelier auf – oder auch die Küche. Die unangenehmen Gedanken & Gefühle werden ganz von alleine wieder verschwinden!

Welche Tipps hast du im Falle eines Ideenstaus?

>> Hat dir dieser Beitrag gefallen? Teile diesen Beitrag mit anderen! Hinterlasse uns einen Kommentar!

image_pdfPDFimage_printDrucken / Print

8 Kommentare

  1. Liebe Seona, ich stecke auch gerade im Ideenstau…… Das ist tatsächlich eine recht unerfüllte Zeit…..
    Ich versuche etwas anderes zu tun um die immer weiter und zu nichts führenden Gedanken zu einem neuen Bild zu unterbrechen….. Ich gehe spazieren, treffe Freunde oder mache einen Stadtbummel. Aufräumen und putzen sind Ausweichbeschäftigungen aber sorgen bei mir meist nicht für erfrischende Gedanken……
    So und nun geht’s raus und hoffentlich löst sich dann mein „Stau“ auf und schafft viel Platz für eine richtig gute Neue Idee.
    Ganz liebe Grüße und danke für den schönen Artikel!
    Anja

  2. Den Ausdruck „Ideenstau“ finde ich klasse.
    Ja, oft sammeln sich zu Zeiten, wo für künstlerische Tätigkeit keine Möglichkeit ist, die Ideen.
    Ich notiere viel z.B. im Urlaub, wenn wir auf Reisen sind. Wieder zuhause gibt es dann dieses Zuviel an Möglichkeiten, das blockiert. Manchmal hilft dann nur der Zufall, also ein Mischen der Notizen und Ziehen eines Zettels. Und damit dann anfangen.

    Nach einer Pause wieder ans Arbeiten zu kommen, finde ich manchmal schwer.
    Dann hilft mir, mir ein Thema zu suchen. Oder eins von außen zu bekommen. Wir haben heute gerade eine Ausstellung gehängt, bei der vier Frauen sich mit dem Thema „Frauen“ beschäftigt haben. Die Anregung kam von einer Künstlerfreundin und hat mich richtig ins Arbeitsfieber gebracht.

    Lieben Gruß
    Uta

  3. Hallo Seona,

    ein schöner Artikel …. es gibt aber noch einen Aspekt – vielleicht habe ich ihn aber auch nur überlesen … – meine Ideen stecken massiv im Stau fest, da die Umsetzung, trotz oder gerade wegen der Fotografie, sehr zeitintensiv ist. Da kann man nicht mal „aufbauen“ und später weiter machen, Und wie es zu dem Stau kommt: es sind zeitraubende Dinge, die von draußen auf mich einwirken: soziales Engagement, Arztbesuche, Untersuchungen und Therapien, Störfaktoren seitens Dienstleister und und und. Da bleibt die künstlerische Arbeit oft auf der Strecke bzw. wird ausgebremst und so gibt es einen „Ideenstau“ ….
    Liebe Grüße
    Ralf

    1. Du hast Recht, Ralf, diesen Aspekt berücksichtige ich nicht. Ich denke, du sprichst hier das gegenteilige Problem an, dass du sehr wohl viele gute Ideen hast, dass dir aber die Zeitplanung einen Streich spielt. Ich hatte eher eine Situation gemeint, wo man sich selbst im Weg steht. Aber tatsächlich gibt es viele Künstler, die auch mit dem Problem kämpfen, das du beschreibst. Mich hatte vor einiger Zeit schon mal jemand ganz explizit darum gebeten, einen Blog-Artikel zum Thema Zeitmanagement für Künstler*innen zu schreiben. Ich setzte das jetzt mal auf meine Themenliste 🙂

  4. Liebe Seona, oh ja, den kenne ich auch! Zuviele heranrasende Ideen und nicht genügend Kanäle, um sie weiterzuleiten! Mein Problem ist immer zu filtern, was ich wirklich will! Toller Artikel, tolle Arbeit!

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.